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Artikel für die Heilerschule nach Horst Krohne: Vergeben Versöhnen Verzeihen

Von Manfred Mohr

Im Moment ist eine uralte Heiltechnik in aller Munde, die vor allem sehr erfolgreich Heilung und Frieden in unsere zwischenmenschlichen Probleme zu bringen vermag: Die Rede ist vom hawaiianische Vergebungsritual Hooponopono, zu dem immer mehr Menschen einen eigenen Zugang entdecken. „Ho’o“ bedeutet „tun“ und „Pono“ soviel wie „richtig stellen“ oder „richtig“. Wende ich die Technik des Hooponopono an, dann „mache ich etwas“, um „wieder richtig zu werden“ oder um etwas „richtigzustellen“.

Jeder, der damit beginnt, Hooponopono in seinem unmittelbaren Umfeld zu betreiben, wird eine neue Sicht dieser Welt bekommen. Wir sind nicht machtlos, was die Spannungen und Konflikte in unserem Umfeld angeht. Jeder kann durch die Praxis dieses Vergebungsrituales etwas tun. Mit oft sehr raschen und weitgreifenden Konsequenzen: Die Beziehungen zu unseren Mitmenschen werden sich grundlegend wandeln und verbessern, seien es nun die zu Familienmitgliedern, Freunden, Bekannten oder Arbeitskollegen. Überhaupt wird jeder, der es aufprobieren möchte, erstaunt feststellen: „Hoppla, es tut sich was in meinem Leben!“ Ein frischer Wind setzt ein, der alte Denkweisen und Glaubensmuster über Bord wirft. Das Segel unseres Lebensbootes füllt sich, und wir bekommen neuen Auftrieb und die feste Zuversicht, aus eigener Kraft etwas in unserem Leben positiv verwandeln zu können. Hooponopono schenkt uns ein ungewohntes, größeres Maß an Selbstverantwortung und beschenkt uns dabei mit sehr erfreulichen Verbesserungen unserer Beziehungen.

Vielleicht denkst du gerade: „Aber ich als Einzelner kann doch gar nichts tun. Ich kann doch nicht die Welt verändern.“ Dazu möchte ich dir sagen: Auch ein langer Weg beginnt immer mit dem ersten Schritt.

„Nicht weil es unerreichbar ist, wagen wir es nicht, sondern weil wir es nicht wagen, ist es unerreichbar.“ (Seneca)

Um die Wirkung des Hooponopono zu verdeutlichen, gebe ich dir folgendes Gleichnis: Stelle dir vor, du bist zusammen mit 99 anderen Menschen in einem Raum. Der Raum ist dunkel. Wenn einer der Anwesenden den Lichtschalter betätigt, wird es auf einen Schlag hell – für alle. Es reicht vollkommen aus, wenn dies einer der 100 Menschen tut. Du könntest dieser eine Mensch sein. Und Hooponopono liefert dir diesen Lichtschalter.

Hooponopono passt wunderbar in unsere neue Zeit. Es ist ein Instrument der Liebe. Wo das Denken unterscheiden möchte und trennt, da möchte die Liebe verbinden. Wo das Denken seinen Vorteil sucht, dort möchte die Liebe sich verschenken. Wo das Denken verurteilt, lehrt uns die Liebe, zu verzeihen. Das mithilfe der Praxis des Hooponopono anwachsende Mitgefühl wird uns vermitteln, die alte rationale Unterscheidung in Gut und Böse aufzugeben. Stattdessen werden wir unsere Welt mehr mit Liebe betrachten und erkennen:

„Denn was ist das Böse anderes als das Gute, von seinem eigenen Hunger und Durst gequält.“ (Khalil Gibran)

Was ist nun dieses Hooponopono? Diese Technik ist für mich die stärkste und wirkungsvollste Form, mich mit meinem Inneren zu versöhnen. Dabei ist der Trick, mich – wie geschildert – mit allem Geschehen in meiner Umwelt als verbunden anzusehen und folglich dafür Mitverantwortung zu übernehmen. Alles in meiner Welt steht mit mir in Resonanz. Indem ich aufhöre, anderen Menschen oder dem Universum die Verantwortung für mein Leben zuzuschieben, ändert sich mein Bewusstsein von der Opferrolle weg hin zum Gestalter meines Lebens. Dann ist niemand anders mehr schuld in meinem Leben! Ich beginne stattdessen, den anderen Menschen in meinem Leben zu vergeben. Dadurch, dass ich anderen vergebe, gelingt es mir nach dem Prinzip „Wie innen, so außen“ auch, mir selbst zu vergeben.

»Vergebe ich dir, dann vergebe ich gleichzeitig auch mir selbst.«

Alles, was ich dazu tun muss, ist, mein Problem ins Herz zu nehmen und zu lieben. Auch mein Problem ist ein Teil von mir. Damit in meinem Leben eine positive Veränderung stattfinden kann, muss ich nur und vor allem bei mir selbst ansetzen. Was auch immer mir geschieht: Ich bin immer beteiligt. Ich bin in meinem Leben immer mit dabei. Das vergesse ich nur immer so leicht. Die einzige Person, die an allen Geschehnissen in meinem Leben beteiligt ist, bin ich selbst.

„Du nimmst dich immer mit, überall hin.“

Das Universum ist so konzipiert, dass ich mich in anderen Menschen spiegele. Ich sehe mich selbst in den Menschen, die mich umgeben. Lehne ich eine bestimmte Art Mensch ab, so darf ich sicher sein, solchen „Kandidaten“ immer wieder zu begegnen. Denn das Universum möchte, dass ich ganz werde. Und wenn wir Anteile von uns ablehnen – C.G. Jung würde sie unsere „Schatten“ nennen –, dann sagt das Universum uns immer wieder: „Nein, entschuldige, aber das bist du auch. Das ist ein ungesehener, ungeliebter Teil von dir. Wenn du es in dir ablehnst, okay, aber dann liefere ich es dir außen, in deiner Umwelt. Mir ist es egal, ob du diesen Teil selbst leben möchtest, oder ob du diesen Teil durch deine Umwelt erfahren willst.“

„Schattenseiten, die ich ablehne, treten mir als Schicksal entgegen.“ (C.G. Jung)

Ein Beispiel für die Wirkung dieses Vergebungsrituales: Paul, unser südamerikanisches Au Pair, war für Hooponopono Feuer und Flamme. Einmal fuhr er in der S-Bahn nach Hause und hatte ein junges Päarchen also Sitznachbarn. Der Junge schaute cool aus dem Fenster, das Mädchen schmachtete ihn an und wollte beachtet werden. Paul fragte sich innerlich, „was soll mir diese Situation sagen?“ und frage darum sich selbst: „Wenn ich dieser junge Mann wäre, warum würde ich mich so verhalten?“ Nun, er brauchte nicht lange zu suchen, denn er selbst verhielt sich seinen (zahlreichen) Verehrerinnen gegenüber meist genauso. Männlich zu sein bedeutet doch, cool zu sein und keine Gefühle zu zeigen, so zumindest glaubte er bis zu diesem Zeitpunkt. Angeregt durch diese „kosmische Erziehungsmaßnahme“ überdachte er aber sein bisheriges Verhalten und sagte sich: „Ich liebe den Teil in mir, der sich so gegenüber Mädchen verhält. Ich danke diesem Teil, und ich vergebe ihm!“ Er schloss kurz die Augen und nahm den Teil in ihm, der sich so verhalten hat, in sein Herz. Er stellte sich intensiv vor, diesen seinen Teil in sein Herz zu nehmen und zu lieben. Genau in dem Moment, als er die Augen wieder öffnete, drehte sich der junge Mann zu seiner Freundin und küsste sie! Paul war völlig aus dem Häuschen. Kaum zu Hause, erzählte er uns brav die ganze Geschichte und stammelte ergriffen: „Danke, danke, danke!“

Und so gibt es bereits eine ganze Vielzahl ähnlicher Erfolgsgeschichten, die genauso unglaublich sind. Ein anderer Ansatzpunkt des Hooponopono ist der schöne Satz: „Die große Fähigkeit zur Veränderung resultiert aus der Akzeptanz des Ist-Zustandes.“ Das erscheint zunächst einmal paradox: Ich möchte in meinem Leben etwas zum Positiven verändern, aber das gelingt mir umso besser, je mehr ich mein Leben annehmen und akzeptieren lerne? Ja, aber dann lasse ich es doch, wie es ist?! Der feine Unterschied besteht bei dieser Betrachtung darin, dass die größte Kraft im Universum in den Qualitäten Liebe und Annahme besteht. Diese haben die größte Kraft zur Veränderung. Kämpfe ich dagegen gegen etwas, dann sage ich innerlich: „Das ist schlecht. Das muss weg!“ Ich umgebe mich darum bei jedem Kampf mit Gefühlen, die gegenteilig sind: Unliebe und Undankbarkeit. Diese haben aber gar keine Kraft zur Veränderung, sondern zementieren nur diesen ungeliebten Zustand.
Liebe und Akzeptanz sind die Wirkkräfte beim Hooponopono

Im Moment scheinen wir uns auf einer Art Rad zu befinden, so wie wir aus dem Buddhismus das „Rad des Lebens“ kennen. Dieses Rad dreht sich immer weiter, und wir drehen uns mit ihm mit. Nun kommt es darauf an, an welcher Stelle dieses Rades wir sind. Angenommen, wir befinden uns mitten auf einer Speiche, dann können wir in zwei Richtungen weitergehen: nach außen zum Mantel oder nach innen zur Nabe. Wenn wir uns hin zum Mantel des Rades begeben (also weiter im Außen suchen), drehen wir uns immer schneller. Das Tempo unseres Lebens nimmt zu und wir drohen, uns mehr und mehr zu verlieren. Kommen wir stattdessen der Radnabe näher (gehen wir also nach innen), wird unser Leben immer ruhiger und entspannter. Gelangen wir schließlich ganz in die Mitte des Rades, ist das »Auge des Sturms« erreicht. Hier herrschen Ruhe, Ausgeglichenheit und Harmonie. Hier, in unserer Mitte, im Zentrum, finden wir zu uns selbst. Hooponopono bringt uns genau hierhin. Rein körperlich ist es unser Herz, das unsere Mitte bildet. Hierhin kommen wir, wenn wir beginnen, zu lieben.

Darum ist jeder Kontakt zu deinem Herzen heilsam. Jedes Mal, wenn du dein Herz spürst, bringt es dich ein Stück weiter hin zu dir. Bei jedem Anklopfen an seine Tore öffnet sich dein Herz wieder ein kleines bisschen mehr. Und ganz sicher schenkt dir das Pochen an seine Tore auch eine ganze Menge wunderbarer Erfahrungen:

»Am Rande des Wahnsinns lebte ich bis jetzt, nach Ursachen und Gründen suchend. Ein Leben lang klopfte ich an eine Tür … Sie öffnend erkannte ich: Von innen hatte ich gepocht.«
(Rumi)

Im Oktober ist das neue Buch von Manfred Mohr über Hooponopono im Amra Verlag erschienen: „Vergeben, Versöhnen, Verzeihen – Neue Anwendungsformen der Herzenstechnik Hooponopono“.