Kann ich meiner Wahrnehmung trauen?

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walrose
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Kann ich meiner Wahrnehmung trauen?

Beitrag von walrose » Mo Okt 22, 2007 9:30 pm

Ich wende mich jetzt vertrauensvoll an Euch.
Ich komme eben gerade vom Sport (Stepaerobic), den meine längste und treueste Freundin macht. Sie bietet das privat an.
In diesem Kurs sind auch zwei weitere Freundinnen von mir.

Ich habe elf Jahre im Rollstuhl gesessen und war ein kompletter Pflegefall. Ich bin froh und glücklich darüber, dass ich ein nahezu normales Leben führen kann und dass ich an diesem Sport teilnehmen kann, bedeutet für mich viel. Ich komme da aber sehr stark an meine Grenzen.
Viele Schrittfolgen kann ich nicht, weil mein Gehirn die Bewegungen nicht umsetzen kann. Ich mache aber trotzdem mit und gebe mein Bestes, weil es mir wichtig ist, etwas für meinen Körper zu tun.

Ich sehe selbst im Spiegel, dass meine Bewegungen nicht so aussehen wie die der anderen und versuche, dem aber keine Beachtung zu schenken.
Heute bin ich wieder stark an meine Grenze gekommen, die Schrittfolgen waren so kompliziert, dass ich ständig rausgeflogen bin.

Eine der Freundinnen hat meine Bewegungen im Spiegel verfolgt und fing plötzlich schallend an zu lachen und sie sagte dazu: Die Klaudia
Das hätte ich noch ignorieren können, aber meine Freundin, die den Kurs gibt, setzte dann auch noch mit ihrem Lachen ein.

Ich habe beide angeschaut, völlig ungläubig darüber, was ich gerade erlebe. Ein paar Minuten habe ich versucht, mir einzureden, dass ich gerade überempfindlich bin.
Aber dann kamen die Tränen. Ich war verletzt, traurig und wütend.
Für mich ist es jetzt so, dass ich eben nicht darüber hinwegschauen kann, sondern ganz klar sehe, dass mich diese Situation sehr verletzt und gedemütigt hat.

Zu der Freundin, die als erste gelacht hat, ist noch zu sagen, dass ich die Erfahrung gemacht habe, dass bei ihr nur Oberflächlichkeiten Platz haben und ich das Gefühl habe, dass sie keinen Platz für Tiefe hat. Es gab in der letzten Zeit häufiger Momente, wo ich mich nicht gesehen und mißachtet fühlte und genau das ist auch eben passiert.

Auch wenn mein Gefühl dazu relativ klar im Moment ist, kommen da doch wieder Zweifel:
Bin ich vielleicht doch zu empfindlich?
Sie hat es doch sicher nicht so gemeint.

Aber dann kommt wieder:
Ich empfinde es aber so. Soll ich das einfach beiseite schieben und so tun, als wäre ich der überempfindliche Depp?

Ich möchte Kontakte, in denen ich gesehen werde, in denen es möglich ist, etwas von mir zu erzählen. Ich möchte Tiefe erleben.
Und ich will mich ernstnehmen mit meinen Gefühlen, die da sind und sie nicht wegschieben.

Wenn einem von Euch etwas dazu einfällt, würde ich mich sehr über eine Antwort freuen.

Liebsten Dank im voraus.
"Der Kopf ist rund, damit das Denken die Richtung ändern kann"

Eurydice
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Beitrag von Eurydice » Mo Okt 22, 2007 10:00 pm

liebe walrose,


ich kann das verstehen, ich war sehr schwer krank (Brustkrebs)und habe enorm darunter gelitten, dass meine Freunde manchmal nicht das richtige Fingerspitzengefühl mir gegenüber hatten.
Ich bin jetzt wieder ganz gesund, wurde sehr geschickt operiert, so dass man wirklich von der Erkrankung fast nichts mehr sieht (ausser ein paar ganz feine Narben, die mit bloßem Auge fast nicht zu erkennen sind)
Trotzdem hat sich mein Leben seitdem sehr verändert, ich habe eine völlig andere Betrachtungsweise und ich bin auch viel verletzlicher in dieser Hinsicht; ich verlange mehr Rücksicht und bin mir selbst gegenüber viel aufmerksamer.

Ich denke es ist ganz legitim, dass du empfindsam reagierst und auch , wenn es deine Freundin vielleicht nicht so gemeint hat, so verdienst du doch Rücksichtnahme und Behutsamkeit.
Gerade habe ich Ausschnitte aus Kylie Minogues come back- Tour gesehen und auch sie hat sich verändert.
Jemand, der ein gesundheitliches Trauma durchlitten hat, ist anders und sollte sich das auch eingestehen.

Und du hast recht, zu zeigen, wenn du dich verletzt fühlst, ich mache das auch. Jemand, der immer gesund war, kann das nicht verstehen, auch nicht, wie sehr man unter einem solchen Verhalten leiden kann; denn es bedeutet auch viel, zu beweisen, dass man wieder leistungsfähig ist.

Ich habe volles Mitgefühl für dich und denke, dass du grossen Respekt verdient hast. Leider haben nicht alle Menschen so viel Anstand und geistige Reife, das anzuerkennen. Sei in diesem Fall großzügig und verzeih es ihnen, du hast ganz andere Dinge zustande gebracht, auf die du sehr stolz sein kannst.

Lieber Gruß von Herzen
Eurydice
Kluge Menschen machen nicht alle Fehler selbst-
sie geben auch andern eine Chance.
W.Churchill

Zauberwort
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Beitrag von Zauberwort » Mo Okt 22, 2007 10:10 pm

hallo liebe Walrose,

empfindest du dich als krank oder als gesund?

Deine Freundinnen scheinen dich als gesund zu empfinden.

lg
zawo

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walrose
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Beitrag von walrose » Mo Okt 22, 2007 10:23 pm

@Eurydice
Danke für Deine Worte...
Ja, ich denke auch, dass ich empfindsam bin, aber eben so, wie Du es auch für Dich erlebst. Aufgrund unserer Erfahrungen haben wir andere Preoritäten und wir eine andere Betrachtungsweise der Dinge haben.

Ich erwarte gar keine große Rücksichtsnahme, aber ich erwarte einen respektvollen Umgang und der schließt eben aus, dass ich ausgelacht werde.

Ich danke Dir für Deine Worte. Sie zeigen mir, dass ich meiner Wahrnehmung trauen kann.


@zawo
Dein Beitrag hat mich sehr nachdenklich gemacht.
Ich empfinde mich nicht als krank, sehe aber meine Grenzen, die ich nun mal mitbringe und diese Grenzen sind speziell in dem Rahmen dieses Sportkurses auch für alle sichtbar.

Wenn man mich so sieht, würde man nie darauf kommen, dass ich mal im Rollstuhl gesessen habe.
Ich denke aber, dass es auch nicht wirklich darum geht, ob meine Freunde mich als gesund oder krank betrachten.
Jeder Mensch bringt Grenzen mit, das ist einfach so.
Und ganz egal, ob ich krank war oder nicht, ist es einfach verletzend, ausgelacht zu werden, wenn ich an meine Grenzen stoße und mich offensichtlich anders bewege.

Ich danke Dir für Deinen Anstoß, der mich meiner Wahrnehmung gegenüber nochmal näher gebracht hat.
"Der Kopf ist rund, damit das Denken die Richtung ändern kann"

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Bhogisattwa
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Beitrag von Bhogisattwa » Mo Okt 22, 2007 10:53 pm

Liebe Walrose :D,

Du hast eine tolle Signatur:
walrose hat geschrieben:"Der Kopf ist rund, damit das Denken die Richtung ändern kann"
Und ich hoffe, dass genau dieser Umstand Dich glück-licher machen wird :wink:

Zauberwort hat es schon angesprochen, DIE Menschen sehen Dich als gesund an. Du selbst hast genau das bestätigt:
walrose hat geschrieben:Wenn man mich so sieht, würde man nie darauf kommen, dass ich mal im Rollstuhl gesessen habe.
Weder Dir noch Eurydice steht Euer "Trauma" auf die Stirn geschrieben. Woher sollen Menschen WISSEN, dass bestimmte Situationen, Worte oder Taten dazu führen, dass Ihr Euch verletzt FÜHLT?

Bitte vergib mir, aber ich habe da mal einen ebenso konkreten wie absurden Vorschlag:
Wenn Du willst, zweifelsfrei willst, dass Menschen wissen, dass sie NICHT in Deiner Gegenwart lachen sollen, dann häng Dir ein Schild um "Bitte hier nicht lachen". :wink:

Nein, ich will mich bestimmt nicht über Dich lustig machen oder Deinen Schmerz ignorieren oder verharmlosen. Und ich habe auch gelesen, dass DIESES Lachen sehr wohl auf Dich direkt gemünzt war. Aber Du hast selbst schon die Erklärung für DIESES Lachen von DIESER Person gefunden, dem ist nichts mehr hinzuzufügen.

Ich schreibe dies, weil ich mir wünsche, dass Du den Menschen mehr Kredit gibst, dass Du IMMER daran denkst, dass die allerwenigsten Menschen jemals einen anderen tatsächlich verletzen WOLLEN. Menschen sind IMMER selbst-zentriert, wären sie das nicht, würde unsere Welt nicht funktionieren.

Verletzt-Sein, Sich-Verletzt-Fühlen, das passiert IMMER nur in DIR. Und es ist das Einzige, was DU SELBST gestalten kannst. Du kannst andere Menschen nicht gestalten, nicht, was sie fühlen, was sie denken oder was sie tun. Aber DU hast es in DEINER Hand, ob Du Dich von anderen Menschen abwerten oder verletzen lassen WILLST.

Ich weiss, dass es jetzt lapidar klingt, aber vielleicht magst Du ja mal folgenden Satz einüben "HA, Ihr hättet mich erstmal sehen sollen, als ich noch im Rollstuhl saß. Ne Schildkröte auf'm Rücken ist ein Artistikwunder dagegen." Dieser oder ein anderer, der Dir vielleicht besser gefällt, mag es Dir ermöglichen, ein ANDERES Gefühl in solch einer Situation zu empfinden.

Ich bewundere Dich. Deine Kraft, Deinen festen Willen, Deine Konsequenz gegenüber Dir selbst. DU hast Dein Leben gestaltet, hast aus einer Katastrophe wieder ein lebens- und liebens-wertes Leben gemacht. Bitte, bleib so, wie Du gern sein möchtest.

Sehr Liebe-voll,
der Bhogi
[i]Die wichtigste Stunde ist immer die Gegenwart,
der bedeutendste Mensch ist immer der, der dir gerade gegenübersteht,
das notwendigste Werk ist stets die Liebe.[/i]
(Meister Eckhart von Hochheim, ca. 1260 - 1328)

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Amber
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Beitrag von Amber » Mo Okt 22, 2007 10:57 pm

Liebe walrose,

mich würde interessieren, wie diese beiden Frauen reagiert haben als du weinen mußtest. Haben sie es mitbekommen?

Ich kann verstehen, dass du dich verletzt fühlst, aber ich frage deshalb, weil es sich auch oft um ein Kommunikationsproblem handelt.

Wir erwarten ganz oft ganz selbstverständlich, dass der andere schon weiß wie es in uns aussieht. Hast du deinen Freundinnen eine Rückmeldung gegeben, wie ihr Verhalten bei dir angekommen ist?

Wie wäre es denn, wenn du einfach mal ein Gespräch suchst und ihnen genau das erzählst, was du uns hier im Forum geschrieben hast.
Was hälst du von der Idee?


:D Amber

Daisy

Beitrag von Daisy » Mo Okt 22, 2007 11:06 pm

Bhogisattwa hat geschrieben:Liebe Walrose :D,

Du hast eine tolle Signatur:
walrose hat geschrieben:"Der Kopf ist rund, damit das Denken die Richtung ändern kann"
Und sehr interessant -

Bild

LG

Zauberwort
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Beitrag von Zauberwort » Mo Okt 22, 2007 11:13 pm

Huch, was ist das denn...ein Foto...mein Bildschirm klappt dadurch zusammen

Verstehe den Beitrag nicht, Daisy

lg
zawo

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walrose
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Beitrag von walrose » Mo Okt 22, 2007 11:31 pm

@ daisy
Der Satz "Der Kopf ist rund, damit das Denken die Richtung ändern kann" ist natürlich nicht von mir, ich finde ihn nur absout treffend und darum habe ich ihn als Signatur.

@amber
Die beiden Freundinnen haben meine Tränen nicht bemerkt, weil ich es nicht wollte. Das war ein Fehler, ich hätte einfach zeigen sollen, dass mich das Lachen verletzt hat. Aber ich war zu verletzt und auch zu wütend, als dass ich mir diese "Blöße" auch noch geben wollte.

Ich habe mich jetzt dazu entschlossen, der Freundin einen Brief zu schreiben. So kann ich mich am besten ausdrücken und sie hat die Möglichkeit, die Worte in sich wirken zu lassen, sich Gedanken zu machen, ohne sich dazu verpflichtet zu fühlen, sofort darauf zu reagieren.

@Bhogisattwa
"Verletzt-Sein, Sich-Verletzt-Fühlen, das passiert IMMER nur in DIR. Und es ist das Einzige, was DU SELBST gestalten kannst. Du kannst andere Menschen nicht gestalten, nicht, was sie fühlen, was sie denken oder was sie tun. Aber DU hast es in DEINER Hand, ob Du Dich von anderen Menschen abwerten oder verletzen lassen WILLST."

Ich verstehe was Du meinst, aber ich glaube auch, dass es so einfach nicht ist. Sicher kann ich mir sagen, dass ich mich eben nicht von einem solchen Verhalten verletzen lasse.
Aber meine Verletzung geschah im Affekt und war keine überlegte Sache. Die Verletzung liegt ja auch eher in der Mißachtung meiner Person... In einer Freundschaft wünsche ich mir einen respektvollen Umgang und das war alles andere als respektvoll.
Bei mir geht es im Moment auch viel darum, zu dem zu stehen, was ich empfinde und diese Gefühle ernst zu nehmen. Zu oft und zu lange habe ich das Gegenteil gemacht und war gerne sehr nachsichtig und verständnisvoll.
Das hatte zur Folge, dass ich viel habe mit mir machen lassen. Und genau damit will ich aufhören. Wenn ich das so tun will, muss ich eben eine solche Situation so behandeln, wie ich sie für mich erlebt habe, als Verletzung meiner Person. Ich werde meiner Freundin einen Brief schreiben, in dem ich benennen werde, wie ich unseren Kontakt gerade erlebe und wie ich mich fühle. Das ist jetzt wichtig für mich, der Ausdruck.
Und was dann geschieht, weiß ich nicht.
"Der Kopf ist rund, damit das Denken die Richtung ändern kann"

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Amber
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Beitrag von Amber » Di Okt 23, 2007 12:48 am

Liebe Daisy,

das Zitat ("Der Kopf ist rund, damit das Denken die Richtung ändern kann") stammt von Francis Picabia und ist ziemlich bekannt.

:wink: Amber

Daisy

Beitrag von Daisy » Di Okt 23, 2007 1:04 am

Amber,

das meinte ich nicht. Ich fand es interessant vom LOA-Standpunkt aus :wink: Ich habs grad vor ner Weile gepostet, jetzt hat es jemand als Sig. Like attracts like...
Meine Freundin hatte das damals übrigens mitten in einem Gespräch selbst erdacht, nicht zitiert. Auch glaube ich nicht, das man diesen Satz jemandem als "Originator" zuschreiben kann, viele Menschen haben und äußern dieselben Gedanken :wink:

LG

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Caralika
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Beitrag von Caralika » Di Okt 23, 2007 10:02 am

Hallo Walrose,

meine Deutschlehrerin hat manchmal gesagt "Es ist besser die Menschen lachen euch aus als beweinen euch". 8) OK, das ist zum Trost, ich mag auch nicht ausgelacht werden.
Eine ehemalige Freundin von mir hat mich ein Paar mal ganz subtil ausgelacht, das war aber als Mitgefühl getarnt. :( Ich war damals etwas verunsichert, wie sie es meint und habe einfach das Thema gewechselt. Nachher war mir klar was sie meinte , ich habe sie aber nicht darübe angesprochen. Ich dachte auf diese Weise lenkt sie sich von ihren Problemen ab und fühlt sich als was Besseres. Und ich haste dieser Art.
Ich habe den Kontakt mit ihr abgebrochen, aber finde Schade das ich es mit ihr nicht geklärt habe, ihr nicht gesagt habe wie sein verhalten bei mir ankommt und was ich darüber denke.

Deswegen ich finde deine Idee den Brief an die Freundinnen zu schreiben sehr gut. So kannst du in alle Ruhe dich ausdrucken, ohne das dich jemand unterbricht, ohne den Angst die Tränen zu zeigen.

LG
Caralika

lawofattraction
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Beitrag von lawofattraction » Di Okt 23, 2007 10:22 am



Liebe Walrose,

vielleicht hilft Dir der folgende Gedanke: Menschen, die andere auslachen - sei es wegen ihres Aussehens, einer Behinderung, einer Ausdrucksweise oder eines Verhaltens - tun das oft auch aus Hilflosigkeit, weil sie nicht recht wissen, wie sie mit einer solchen Situation umgehen sollen. Das Lachen ist dann weniger der anderen Person gewidmet als Audruck ihres eigenen Unvermögens, damit umzugehen.

In jedem Fall ist es aber ein Unvermögen der Person, angemessen zu reagieren. Wenn ich mich in Dich hineinversetze und mir vorstelle, jemand der sich meine Freundin nennt, lacht mich aus, weil ich aufgrund einer Krankheit eben nicht die gleiche Bewegungsmöglichkeit habe, so kann ich verstehen, dass Dich das sehr getroffen hat. Das wäre vielleicht auch ein Ansatzpunkt für eine Unterhaltung - ein Verständnis herbeizuführen, was in ihr vorgegangen ist und was das in Dir emotional verursacht hat.

Auch wenn der Gedanke, dass Du es bist, die im Endeffekt darüber bestimmt, ob Dich das Verhalten anderer verletzt oder nicht, etwas schwer in die Tat umzusetzen ist, lohnt es sich doch einmal darüber nachzudenken und sich vor allem klar zu machen, wie frei man ist, wenn man emotional nicht vom (Fehl)Verhalten anderer Menschen abhängig ist. Bei einem nahestehenden Personen mag das am schwersten sein, aber ich habe selbst festgestellt, wenn man mit weniger wichtigen Personen anfängt dies zu üben, wird es immer leichter - auch in Situationen, die der von Dir beschriebenen ähneln. Ich habe festgestellt, dass mir das eine unwahrscheinlich Freiheit und das Gefühl der Selbstbestimmtheit gebracht hat, auf die ich heute nicht mehr verzichten möchte.

Liebe und Freude
Loa
[color=green]If you keep asking the question, you hold
yourself away from the solution - Abraham[/color]

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walrose
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Beitrag von walrose » Mi Okt 24, 2007 1:06 am

Es ist ein Tag vergangen und ich betrachte die Situation aus dem Heute heraus.
Die Situation gestern war der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte.
Es gab zu viele Szenen, die nicht angesprochen oder gar geklärt wurden, darum spitzte sich die Situation für mich gestern so zu.
Den Brief habe ich geschrieben und heute nochmal gelesen und bin zu dem Schluss gekommen, dass ich ihn nicht meiner Freundin geben werde, sondern das persönliche Gespräch suchen werde.
Ich will sie fragen, warum sie gelacht hat und werde ihr dann meine Empfindung dazu erzählen.
Daraus kann etwas entstehen, wichtig ist es meines Erachtens jetzt, miteinander zu sprechen, sich zuzuhören und auf diese Weise ein Verständnis füreinander zu entwicklen.
"Der Kopf ist rund, damit das Denken die Richtung ändern kann"

Shawny
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Beitrag von Shawny » Mi Okt 24, 2007 1:46 pm

Hallo Walrose,

ich kann Zauberwort nur beipflichten: das Lachen war mit ziemlicher Sicherheit kein AUSlachen! Ich kann mich in die Situation von Deinen Freundinnen (leider) recht gut einfühlen, weil ich sehr fröhlich, liebevoll und behütet aufwachsen durfte und wahrscheinlich dadurch dazu neige, vieles mit einem Lachen einfacher zu machen.

Mir ist dadurch auch schon öfter passiert, was Deinen Freundinnen passiert ist: ich habe Menschen, die das nicht verstehen können, damit verletzt. Das tut mir dann auch immer unendlich leid, weil das gar nicht im Vorstellungsvermögen von mir drin war, dass man mit Lachen jemanden verletzen kann (ich lache niemals jemanden AUS, nur mit jemandem mit).

Stell Dir mal die Frage, ob die Freundinnen auch über sich selbst so lachen würden, wie sie "über Dich" (ich tendiere noch immer zu "mit Dir") gelacht haben. Wäre es möglich, dass sie es lustig finden, weil Du für Sie völlig gesund bist und so auch noch so stark bist, dass sie nicht mitbekommen, dass Du noch immer eine Art Zuspruch brauchst?

Ich geb Dir mal ein Beispiel: Ich bin ziemlich rund und mein Vater ist ein ziemlicher Strich in der Landschaft. Wenn wir beide z.B. gemeinsam den Gartentisch aus dem Keller tragen, dann lacht meine Mutter laut auf und ruft: "Dick und Doof tragen einen Tisch!!!". Und weißt Du: Mein Vater und ich müssen dann den Tisch sofort irgendwo abstellen (auch wenn es ungemütlich gerade auf der Treppe ist) und müssen dann irre mit meiner Mutter mitlachen. Wir sehen ja echt so aus! Ich weiß genau, dass meine Mutter weder mich noch meinen Vater verletzen wollte (der übrigens nicht die Spur "doof" ist :lol: ) und kann deswegen herzhaft mitlachen. Sowas passiert mir dann aber auch bei Bekannten, die das dann aber leider gar nicht lustig finden...

Ich glaube, dass Du Deinen Freundinnen ruhig etwas mehr Vertrauen schenken solltest. Dich AUSzulachen, würde nicht ein Mal Dein ärgster Feind in der Situation wagen! Schon gar nicht Deine Freundinnen!!!

Du hast so viel erreicht, wie ich Deinem Posting entnehmen konnte, dass Du ohne weiteres auch selbst mal herzhaft über Dich Lachen könntest! Lass es Dir gut gehen, genieß Deine wahrhaft unglaubliche körperliche Leistung und lache selbst mal ordentlich, das befreit ungemein!

Ich hoffe, ich konnte Dir ein wenig Verständnis "abringen" und wünsche Dir, dass Du weiterhin solch immensen Fortschritte machst! Vielleicht darf man dann auch irgendwann mal beim New York Marathon MIT DIR lachen :P ist wohl ob Deiner Lebensgeschichte nicht ausgeschlossen, dass Du es noch so weit bringen wirst!

Alles Liebe,

Shawny

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