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Geld: Wir lassen uns von ihm beherrschen, weil wir seine Wirkungsweise nicht verstehen

Eisiges Schweigen:
Wir lassen uns vom Geld beherrschen,
weil wir seine Wirkungsweise nicht verstehen

VON WOLFGANG BERGER www.business-reframing.de

Prof. Wolfgang Berger ist promovierter Philosoph und Ökonom. Er leitet das Business Reframing® Institut, das die Genialität in Unternehmen provoziert (www.business-reframing.de). Dieser Beitrag soll die Genialität in Europa und der Welt provozieren. © 2005 Business Reframing Institut GmbH Karlsruhe.

Keiner unserer politischen Parteien trauen die Menschen die Lösung der Probleme zu, die sie bedrücken. Die Resignation ist berechtigt: Das Bruttoinlandsprodukt in Deutschland ist von 1991 bis 2001 um 37% gewachsen, die Nettolöhne und -gehälter sind es nur um 23%. Die Geldvermögen dagegen haben sich verdoppelt und die Bankzinszahlungen um 95% zugenommen. Das Wachstum der großen Vermögen muss also von den Arbeitnehmern und Steuerzahlern erwirtschaftet werden. Die Umverteilung von unten nach oben ist von der Politik nicht gewollt, aber offenbar unvermeidlich – ein Systemzwang. Diese Zwänge können aufgebrochen, die Gesellschaft kann durch einen Systemwechsel zukunftsfähig gemacht werden. Es ist möglich, die Steine auf dem Weg zu einer besseren Welt wegzuräumen und die Weichen jetzt so zu stellen, dass sozialer Ausgleich, eine starke Förderung von Familien mit Kindern, eine üppige staatliche Infrastruktur und massive Investitionen in Bildung, Forschung und die Umwelt möglich werden.

Die Ökonomen sind die Blindenhunde der Politiker. Kein Politiker kann die Kompetenz der Wissenschaft negieren. Die Öffentlichkeit würde das nicht tolerieren. In Zeiten hoher Staatsverschuldung und Arbeitslosigkeit übertragen sich die ökonomischen Lehrmeinungen unmittelbar auf politische Konzepte und Programme. Jede Wissenschaft aber ist auf Paradigmen gegründet – auf Grundüberzeugungen, die als wahr vorausgesetzt werden müssen. Wer sie nicht akzeptiert, gehört nicht zur Zunft und wird ausgeschlossen: Wer die heute herrschende neoliberale Wirtschaftstheorie nicht vertritt, ist kein Ökonom. Die Zunft bietet Pfründe – Forschungsgelder, Gutachten, Beratungsaufträge, Berufungen, Preise – um die ebenso gekämpft wird, wie es die Unternehmen um Marktanteile tun. In diesen Kämpfen werden keine Gefangenen gemacht. Wer unterliegt, muss sterben. Konzepte aber, die die aktuellen Probleme lösen könnten werden totgeschwiegen. Das passiert immer wieder: Ignaz Semmelweis ist für Erkenntnisse, die heute Allgemeingut sind, in einer Nervenheilanstalt gelandet, Ludwig Boltzmann hat sich das Leben genommen. Edward Jenner hat als erster gegen Pocken geimpft und wurde von der Royal Society abgewiesen: "Es ist nicht angebracht, dass Sie … Ideen präsentieren, die derart vom erworbenen Wissen abweichen und zudem irrig sind." Und Maurice Allais – Wirtschaftsnobelpreisträger 1998 – urteilt: "Nicht die Theorie ist falsch, sondern die Wirklichkeit". Haben uns etwa die Politiker diese "falsche" Wirklichkeit eingebrockt ? Nein ! Politiker werden von der Öffentlichkeit gezwungen, die jeweils herrschende Lehre der Ökonomie in Politik zu übersetzen. Auch Politik wird von der Ökonomie beherrscht, weil sie die Wirkungsweise des Geldes nicht versteht. Diese Herrschaft gilt es zu brechen. Im Sozialismus führt die Politik die Wirtschaft an der Leine. Im Kapitalismus führt die Wirtschaft die Politik an der Leine. Der dritte Weg ist das Konzept einer "Fairconomy", das einen Ausgleich herstellt und hier vorgestellt werden soll. Ihm ergeht es wie den Brüdern Orville und Wilbur Wright: Im Jahre 1905 haben sie in New Jersey die ersten erfolgreichen Flugversuche unternommen. Viele Leute haben das beobachtet, auch ein Reporter der New York Times. Er hat einen Bericht darüber an seine Redaktion geschickt. Das war ein Fehler, er wurde fristlos entlassen. Die Begründung: "Wir können keinen Reporter beschäftigen, der Schwachsinn schreibt. Jedermann weiß, dass ein Gerät aus Metall, das schwerer als Luft ist, nicht fliegen kann." Erst vier Jahre später hat die Zeitung über die Flugversuche berichtet.

Strukturelle Defizite unserer Geldwirtschaft

Es wäre die Aufgabe der Politik, die vielen erfolgreichen "Fairconomy-Flugversuche" in eine Vision zu gießen, die uns abheben lässt. Es beginnt mit einer Erkenntnis, die die Presse totschweigt: Die Umverteilung von unten nach oben erzwingt auch in Europa Entwicklungen, gegen die sich die Menschen der Dritten Welt seit langem wehren. Diese Entwicklungen sind nicht das Ergebnis von Politik; sie ergeben sich aus dem globalen Geld- und Finanzsystem: Wer sein Erspartes langfristig, geschickt und sicher anlegt, verdoppelt den Betrag durch Zins und Zinseszins etwa alle zehn Jahre. Die durchschnittliche langfristige Verzinsung in den letzten Jahrzehnten war 7 %. Aus € 100.000 erspartem Arbeitseinkommen werden so

nach 10 Jahren € 196.720
nach 25 Jahren € 542.740
nach 50 Jahren € 2.945.700
nach 75 Jahren € 15.987.600
nach 100 Jahren € 86.771.630

Diese € 86.771.630 setzen sich zusammen aus € 100.000 Ersparnis, € 700.000 Zinsen und € 85.971.630 Zinseszinsen. Die Verzinsung ist notwendig, damit das Kapital als Kredit wieder zur Verfügung steht. Voraussetzung dafür ist, dass es Kreditnehmer gibt, die bereit und in der Lage sind, sich in entsprechender Höhe zu verschulden – die also für die hunderttausend Euro innerhalb von zehn Jahrzehnten ca. 86,7 Millionen Euro Zins und Zinseszins aufbringen. Exponentiell wachsenden Vermögen der Kreditgeber muss eine exponentiell wachsende Verschuldung von Kreditnehmern gegenüber stehen. Wenn es keine Privatpersonen und Unternehmen gibt, die mehr Kredite aufnehmen wollen und können, bleibt als Rettung für die Kapitalmärkte nur eine stärkere Verschuldung von öffentlichen Haushalten. Exponentielle Entwicklungen, die sich unbegrenzt beschleunigen, gibt es in der Natur und im Kosmos nur bei Explosionen, die immer einen Zusammenbruch einleiten. Auch in unserer von Menschen geschaffenen Welt müssen sie irgendwann kollabieren. 90% der Neuanlagen bei Banken sind schon heute wieder angelegte Zinseszinsen.

Wege zu einer besseren Zukunft

Der Crash-Kurs explodierender Vermögen und Schulden wird abgebrochen, sobald der Geldumlauf nicht durch Zins und Zinseszins angetrieben wird, sondern durch eine Gebühr ("Demurrage") von zum Beispiel 0,75 % pro Monat, die von den Girokonten abgebucht wird. Die Gebühr reduziert sich bei befristeter Anlage und entfällt bei Investitionen. Bei Bargeld kann die fällige Gebühr von eingebauten Mikrochips angezeigt werden. Bei der Kontrolle im Prüfgerät der Bank oder des Einzelhändlers wird die Gebühr fällig, der Schein aktualisiert. Dieses "fließende Geld" dient nicht der Wertaufbewahrung; es hat keinen Vorteil gegenüber anderen Gütern, die veralten, verrosten, verfaulen, verfallen oder Lagerkosten verursachen. Das Bankensystem bleibt im Wesentlichen unverändert, nur die Rahmenbedingungen ändern sich: Da Bargeld und Giralgeld "Lagerkosten" verursachen, werden diejenigen, die Kapital haben, diese Kosten vermeiden wollen und interessiert sein, es über geeignete Anlageformen zinsfrei wieder zur Verfügung zu stellen. Die Feineinstellung der Demurrage wird von der Zentralbank so vorgenommen, dass der Markt den Zins gegen Null drückt. Die Folgen für einen Währungsraum, der "fließendes Geld" einführt, sind vielfältig:

1. Die Steuern können reduziert werden: Der Staat kann sich zum Teil aus der Demurrage finanzieren. Das macht ihn zu einem attraktiven Standort für Investitionen in Sachkapital. Spekulationskapital wird ihn meiden, was niemand beweinen wird, denn es ist nicht produktiv.

2. Die Preise für im Binnenmarkt erstellte Güter und Leistungen sinken im Durchschnitt um 40 % (denn in die Preise sind jetzt weltweit durchschnittlich 40 % Zinskosten einkalkuliert). Um 40 % reduzierte Kosten steigern die Exporte und die Gewinne der Unternehmen.

3. Um 40% gefallene Preise und gesenkte Steuern verdoppeln die Kaufkraft jedes Einzelnen
oder sie bieten ihm die Möglichkeit, weniger zu arbeiten.

4. Bei Zinsfreiheit verlieren kurzfristige, ökologisch schädliche Investitionen ihren betriebswirtschaftlichen Vorteil. Langfristige Investitionen – z. B. in Infrastruktur, Umwelt, Gesundheit, Bildung und Forschung – werden rentabel. Die Rentabilität langfristiger Investitionen bewirkt einen Wechsel vom quantitativen zum qualitativen Wachstum, das ökologisch unschädlich ist.

5. Die gestiegene Kaufkraft reduziert das Arbeitsangebot. Die vielen langfristig rentablen Investitionsprojekte beenden die – unfreiwillige – Arbeitslosigkeit. Die Umverteilung von unten nach oben ist systembedingt.

Solange der Umlauf des Geldes vom Zins garantiert wird, müssen diejenigen, die nur ihre Arbeitskraft anzubieten haben, für diejenigen, die Kapital haben, die Zinsen erarbeiten: innerhalb von zehn Jahrzehnten auf € 100.000 fast € 87 Millionen. Geld kann nicht arbeiten und sich auch nicht vermehren. Nur Menschen und Maschinen können arbeiten und nur durch deren Arbeit vermehrt sich Geld. Verdient wird dieses vermehrte Geld – Zinsen und Zinseszinsen – von denjenigen, die mit ihrem Kopf, ihren Händen und ihrem Körper arbeiten (Handwerker, Arbeiter, Landwirte), von denjenigen, die Maschinen und Investitionsgüter erfinden und entwickeln (Techniker und Ingenieure), die sie kaufen und einsetzen (Unternehmer), die sie bedienen und warten (Mitarbeiter) und die das, was damit hergestellt wird, verkaufen (Verkäufer). Wenn die Zinsbelastung in den Preisen einschließlich des Zinsanteils bei den Steuern 50% ist, bedeutet das: Nur diejenigen, deren Zinseinkünfte höher sind als ihre Arbeitseinkünfte, gehören zu den Gewinnern des Systems; und das ist eine Minderheit der Bevölkerung. Alle anderen gehören zu den Verlierern. Unabhängig von allen steuerlichen Gestaltungen erzwingt das System somit eine ständige Umverteilung der Vermögen und Einkommen von unten nach oben. Die Vermögen derer, die die Kredite vergeben, wachsen exponentiell. Das hat zunächst zur Folge, dass der vermehrte Wohlstand, der sich aus dem Wachstum der Wirtschaft ergibt, nicht der arbeitenden Bevölkerung zufließt, die ihn produziert, sondern den Vermögenden. Sobald aber die Wachstumsrate niedriger ist als der Zinssatz – und das ist in allen Volkswirtschaften mit gesättigten Märkten der Fall – sind die Konsequenzen andere: Da die Ansprüche des Kapitals immer vorab bedient werden, muss der arbeitenden Bevölkerung etwas weggenommen werden, um die Zinsen bezahlen zu können. Das ist die Ursache von Sozialabbau und Ausdünnung der Infrastruktur. Der Dritte Weltkrieg hat bereits begonnen; seine schärfste Waffe – tödlicher als die Atombombe – ist das Geld. In Emile Zolas Roman "Germinal" versteigert ein Bergwerksdirektor Arbeitsplätze. Wer den niedrigsten Lohn verlangt, wird eingestellt. War Zola ein Hellseher ? Das Vermögen der 587 von der Zeitschrift "Forbes" gezählten Milliardäre ist im Jahre 2003 um 36 % gestiegen. Bei dieser Rate verdoppelt es sich in wenig mehr als zwei Jahren – durch die Arbeit der vielen, die diese Vermehrung ermöglichen und immer weniger dafür bekommen. Aber "wenn eine Gesellschaft den vielen, die arm sind, nicht helfen kann, kann sie auch die wenigen nicht retten, die reich sind", hat John F. Kennedy gesagt und diese Sicht der Dinge nicht überlebt. Auch wenn das Fundament einmal von einer unternehmerischen Leistung geschaffen worden ist: Die größten Vermögen entstehen heute als Folge der Vermehrung des Kapitals durch Zinsen und Zinseszinsen, die von anderen erarbeitet werden müssen.

Die heißesten Plätze in der Hölle

Jede Religion eröffnet uns eine Perspektive über dieses Leben hinaus. Für jede Religion ist alles Irdische vergänglich – auch das Geld. Und deshalb muss Geld so sein wie andere Güter auch: Es muss verfallen wie Häuser, verfaulen wie Äpfel, verrosten wie Autos, unmodern werden wie Kleider, veralten wie Computer und darf sich nicht ohne "Lagerkosten" von selbst vermehren. Deshalb haben alle Religionen den Zins verboten. Die urchristliche Tradition sieht vor, den Schuldnern nach jeweils 7 x 7 Jahren – also alle fünfzig Jahre – sämtliche Schulden zu erlassen. "Herr, vergib uns unsere Schulden" hieß es damals noch. Die Liste der Konzile der römischen Kirche, die das Zinsnehmen als Sünde verdammen und bei Missachtung mit Höllenstrafen drohen, ist lang: Elvira (305 – 306), Arles (314), Nizäa (325), Karthago (348), Taragona (516), Aachen (789), Paris (829), Tours (1153), Rom (1179), Lyon (1274) und Wien (1311). Herrscher, die den Zins nicht aburteilten, waren zu exkommunizieren. Martin Luther bestätigt diese Sicht: "Der Zins ist ein in der Wolle gefärbter Dieb und Mörder." Der Islam besteht bis heute auf dem Zinsverbot. 1985 haben Estelle und Mario Carota aus Mexiko den Vatikan darum gebeten, die Position zum Zins darzulegen. Ihr Motiv: das Zinsverbot sollte ebenso konsequent durchgesetzt werden wie das Abtreibungsverbot. Die Kongregation für Glaubenslehre unter der Leitung von Kardinal Ratzinger – dem späteren Papst Benedikt XVI – hat geantwortet, dass die Lehre über den Zins nie neu formuliert worden sei und sich also nichts geändert habe, dass es aber im Vatikan heute niemanden mehr gebe, der in dieser Frage kompetent sei.

Die schwere Bestrafung langfristigen Denkens Die dramatischste Konsequenz der zentralen Eigenschaft unseres destruktiven Geldes ist die schwere Bestrafung langfristigen Denkens: Bei Investitionsentscheidungen werden die zusätzlichen Ausgaben erfasst, die eine Investition während der Nutzungsdauer erfordert. Und es werden die zusätzlichen Einnahmen erfasst, die die Investition bringt – ebenfalls für die gesamte Nutzungsdauer. Für jedes Jahr wird dann die Differenz zwischen diesen von der Investition ausgelösten zusätzlichen Einnahmen und den zusätzlichen Ausgaben gebildet. Natürlich ist es nicht das Gleiche, ob wir heute eine Million mehr haben oder ob wir in einem Jahr eine Million mehr haben. Wenn wir sie vergleichen wollen, müssen wir die Million in einem späteren Jahr auf den Wert von heute umrechnen – also abzinsen. Bei 12 % – dem gängigen Zinssatz für solche Entscheidungsgrundlagen –

sind € 1 Million in 10 Jahren heute € 321.973 wert,
sind € 1 Million in 25 Jahren heute € 58.823 wert,
sind € 1 Million in 50 Jahren heute € 3.460 wert,
sind € 1 Million in 75 Jahren heute € 204 wert,
sind € 1 Million in 100 Jahren heute € 12 wert.

Wenn ich heute € 12 bei einer Rendite von 12 % investiere, wird daraus in hundert Jahren € 1 Million. Bei 25% (Deutsche Bank) entsteht die Million schon aus einem Centbetrag heute. Die Konsequenz für unsere Investitionsentscheidungen ist einfach: Wir brauchen die Rechnung nur für gut zehn Jahre durchzuführen, weil das, was danach passiert, sich auf das Ergebnis kaum noch auswirkt. Die Antwort ist nicht nur einfach, sie ist auch erschreckend: Was danach passiert, beeinflusst die Investitionsentscheidungen nicht mehr. Unser destruktives verzinsliches Geld ist mächtiger als die Weisheit aller Religionen. Wer durch langfristig gute Entscheidungen den heutigen (abgezinsten) Wert eines Unternehmens reduziert, macht es zu einem Übernahmekandidaten. Das System macht die Zerstörung der Umwelt oder atomare Endlagerkosten und -risiken für hunderttausend Jahre rentabel. Zukunftsfähige Technologien dagegen und die Erhaltung unseres wunderschönen Planeten als Lebensraum rechnen sich nicht – es sei denn mit staatlicher Forschungsförderung, die die Risiken sozialisiert und die Gewinne privatisiert.

Historische Beispiele mit fließendem Geld Die sumerische Hochkultur hat mit fließendem Geld Erstaunliches geschaffen: Das babylonische Reich ist nach dem Urteil des Propheten Jesaja "das schönste und herrlichste unter den Königreichen". Der griechische Tourist Herodot besucht im 5. Jahrhundert v. Chr. Babylon, seine Hauptstadt, und beschreibt sie überschwänglich. Mit ihren prachtvollen Tempeln, weitläufigen künstlich angelegten Kanälen und hängenden Gärten ist sie für Jahrtausende – Jahrtausende! – die schönste und reichste Stadt der Welt. Zwischen dem 12. und 15. Jahrhundert hat fließendes Geld fast überall in Mitteleuropa einen beispiellosen breiten Wohlstand geschaffen: Die vielen wunderschönen mittelalterlichen Städte werden gegründet und ausgebaut. Fast alle großen Dome und Kathedralen Europas entstehen in dieser Zeit. Die Hanse verwandelt ärmliche Fischerhäfen rund um die Ostsee in Oasen blühenden Reichtums – die Hansestädte. Die Fünftagewoche wird eingeführt – außer dem Sonntag ist der "blaue Montag" arbeitsfrei; teilweise gibt es sogar eine 4-Tage-Woche. Egon Friedell beschreibt die üppigen Festgelage des Volkes mit Geschichtenerzählern, Gauklern, Musikanten und Troubadouren – da läuft jedem von uns heute das Wasser im Munde zusammen. Es ist eine Zeit, die überquillt vor triefendem Hochgenuss. Mitten in der großen Wirtschaftskrise ab 1929 pflastert Wörgl in Tirol mit fließendem Geld seine Straßen, baut eine Kanalisation, erneuert die Schule, errichtet einen Kindergarten und erreicht Vollbeschäftigung. Viele ahmen das Experiment nach. Der französische Ministerpräsident Édouard Daladier besucht die Kleinstadt. Die Finanzexperten allerdings erklären das Experiment für groben Unfug, die Zentralbank setzt ein Verbot durch. Wörgl muss zur Landeswährung zurückkehren, zu hoher Arbeitslosigkeit und sozialem Elend. Wenn Urteile mit dem Gewicht unbestrittener Autorität geäußert werden, gelingt es leicht, die Wahrheit zu unterdrücken. Die Autoritäten setzen "ihr Recht" durch – sie behalten Recht – und die Opfer falscher Entscheidungen bleiben wehrlos. Eisiges Schweigen macht alle blind.

Die Chance für die Welt Die Lehre aus diesen Beispielen ist einfach: Fließendes Geld kann auch heute eine "Fairconomy" errichten, Vollbeschäftigung mit einer fairen Verteilung von Einkommen und Vermögen schaffen, die ökologische Krise lösen und die Staatsverschuldung beenden. Wenn die Politik diesen Konstruktionsfehler des Kapitalismus erkennt und behebt, kann sie breiten Wohlstand, Vollbeschäftigung und Frieden auslösen – weltweit – und damit dazu beitragen, dass unser wunderschöner Planet als Lebensraum erhalten bleibt. Einer Wirtschaft mit fließendem Geld müssen die Menschen sich nicht unterwerfen; sie verwandelt sich aus sich selbst heraus zu einer "Fairconomy", die dem Leben dient – auch den Menschen. Die OECD, eine europäische oder eine deutsche Institution oder Stiftung kann das Projekt "Einführung fließenden Geldes in einem Währungsraum" technisch vorbereiten und zunächst einigen Schwellenländern anbieten. Der schnelle Erfolg des Währungsraums, der zuerst eine "Fairconomy" schafft, wird einen Dominoeffekt auslösen und das Konzept auch in der Eurozone durchsetzbar machen. Die Opfer, die unser destruktives Geldsystem bis zum unvermeidlichen Kollaps fordert, sind unermesslich. Was in unserem Bewusstsein als Möglichkeit vorhanden ist, kann auch geschehen. Die Erde wird den Himmel spiegeln oder die Hölle. Es ist unsere Entscheidung. Die Zeit für einen Systemwechsel ist jetzt reif.

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