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Für das Magazin Vita: Der Bambus-Effekt

Artikel für das Magazin Vita: Der Bambus-Effekt

Von Manfred Mohr

Im Moment ist es sehr modern, auf Klassentreffen alten Schulkameraden wiederzusehen. Denn die Schulzeit liegt nun, wie bei mir zum Beispiel, bereits einige Jahrzehnte zurück. Vor einiger Zeit war ich Gast bei einem solchen Event. Erstaunlich stelle ich dabei fest, nicht etwa die Schulfreunde mit den besten Noten waren besonders erfolgreich. Nein, viel eher die mehr Durchschnittlichen, die es aber schon immer gut verstanden, sich mit großem Geschick durch die Schulzeit zu lavieren. Ich würde sie darum eher als „bauernschlau“ beschreiben.
Die moderne Forschung hat dies bestätigt. Ein hohes Maß an Wissen allein ist in unserem Leben nicht erfolgversprechend, sondern dazu bedarf es viel mehr auch einer guten Portion von emotionaler Intelligenz. Menschen mit emotionaler Intelligenz besitzen die Fähigkeit, sich in Situationen hinein zu spüren, um dann ihrer Intuition mehr zu vertrauen als ihrem reinen Verstand. Sie folgen eher aus dem Bauch und damit ihrem Gefühl.

Dies ist aber genau etwas, was in unserer Schule leider (noch) nicht gelehrt wird. Gute Noten bekommen wir für unser Wissen, nicht aber für unsere emotionalen Fähigkeiten. Wir vernachlässigen dabei die für unser Leben so wichtige fühlende, empfindende Seite in uns.

Vom Wortsinn her ist nämlich der Begriff „Empfinden“ auf das altdeutsche „etwas in sich finden“ zurückzuführen. Eine Empfindung steigt ursprünglich in mir auf und möchte von mir erlebt werden. Sie zeigt sich mir als Gefühl, als intuitive Information, die mir wichtige Impulse vermitteln möchte, etwa, um eine Entscheidung zu treffen. Und, wie das Klassentreffen meiner Grundschule mir zeigte, sind solche Hinweise oft sehr erfolgversprechend. Ist es darum nicht sehr wünschenswert, unseren Empfindungen wieder mehr Aufmerksamkeit zu schenken? Denn wir sind auch und vor allem fühlende, empfindende Wesen. Das, „was wir in uns“ spüren können, wenn wir eine Empfindung wahrnehmen, entstammt unserer inneren Quelle. Hier gibt es sehr viel zu entdecken:

Der Reisende ins Innere findet alles, was er sucht, in sich selbst. Das ist die höchste Form des Reisens. (Laotse)

Durch die Hinwendung zu unserer fühlenden Seite in uns lernen wir uns selbst besser kennen. Unsere Gefühle können uns dabei helfen, uns selbst mehr zu lieben und zu akzeptieren. Und dort, wo wir unsere Gefühle unterdrücken und übergehen, lassen wir einen Teil von uns nicht zum Leben kommen:

Der Mensch besteht aus zwei Teilen: einer wacht in der Dunkelheit, und der andere schläft im Licht. (Khalil Gibran)

Beim Umgang mit unseren Gefühlen können wir viel von der Bambus-Pflanze lernen. Der Bambus hält gelassen allen Witterungen stand. Wie das Wetter auch sein mag, ob es zu trocken ist oder nass, stürmisch oder windstill, der Bambus hat die innere Gelassenheit, allem in der passenden Art und Weise zu begegnen.

Unsere Gefühle sind so unterschiedlich wie das Wetter. Manchmal geht es uns gut, dann scheint gerade die Sonne. Dann wieder sind wir traurig und der Regen fällt. So unterschiedlich wie das Wetter sein kann, so sind auch unsere Gefühle. Der Bambus mit seiner Flexibilität macht uns vor, wie wir mit ihnen umgehen können. Wenn wir lernen, annehmend und weich zu bleiben, hält uns dies gleichzeitig auch jung und lebendig:

Schmiegsam ist der Mensch, wenn er geboren wird. Starr und steif, wenn er stirbt. Biegsam und zart sind die Kräuter und Bäume im Wachstum, stark und hart im Entwerden. Darum gehören Starre und Stärke dem Tod, Weichheit und Zartheit dem Leben. (Laotse)

Damit die Natur leben und wachsen kann, braucht es nun aber beides, Sonne und Regen. Und zwar im flexiblen Wechsel. Zuviel Sonne lässt die Pflanzen vertrocknen, ebenso wie zu wenig Regen. In unserer Dualität, in der wir leben, braucht es offenbar beides. Und nur im Spiel der Gegensätze kann sich das Leben wohl erst wirklich entfalten:

Sein und Nichtsein erzeugen einander. Schwer und leicht vollenden einander. Lang und kurz gestalten einander. Vorher und Nachher folgen einander. (Laotse)

So gelassen wie der Bambus jeder Witterung begegnet, sollten auch wir mit unseren Gefühlen umgehen. Es ist ganz natürlich, dass unsere Stimmungen sich verändern. Jedes Gefühl ist grundsätzlich gut und richtig. Statt mit ihm zu kämpfen, es abzulehnen oder ihm auszuweichen, sollten wir ihm gelassen begegnen. Es ist ein Teil von uns. Wenn ich meine Gefühle akzeptiere, akzeptiere und liebe ich mich.

Ein Gefühl ist, wie es ist. Und damit ist es immer richtig. Ein Gefühl kann gar nicht falsch sein. Jedes Gefühl entspringt aus meiner inneren Quelle, die aus meiner Seele schöpft. Wie gut, dass wir lebendig sind und fühlen können!

Ein Gefühl, das mich schon seit meiner Kindheit begleitet, ist die Ruhelosigkeit. Ich konnte kaum stillsitzen und musste mich immer bewegen. Es fiel mir darum schwer, mich auf meine Hausaufgaben zu konzentrieren. Als ich älter wurde, merkte ich, wie wichtig für mich die täglich Bewegung und regelmäßiger Sport sind. Damit gelingt es mir heute, meine Energie in sinnvolle Bahnen zu lenken und ich habe sogar Spaß dabei. Da mir natürlich das ruhige Sitzen bei einer stillen Meditation nur sehr schwer gefallen ist, erlernte ich zunächst alternative Formen, bei denen ich auch in Bewegung meditativ sein kann, etwa die buddhistische Gehmeditation und später auch Tai Chi, was ich auch heute noch ausübe. So denke ich, kann jeder Mensch seinem Typ entsprechend lernen, mit seinen Eigenheiten akzeptierend umzugehen. Und das Beste aus ihnen zu machen. Heute darf ich sagen, gehört die stille Meditation zu meinem festen Morgenritual, und ich möchte sie nicht missen.
Glück heißt nicht, das Beste von allem zu haben, sondern, das Beste aus allem zu machen.

Geht es dir auch so, dass du dich manchmal ruhelos und gestresst fühlst? Hier noch eine Übung, die helfen soll, den Tag über mehr in unserer Mitte bleiben zu können:

Übung: Deine Morgenmeditation
Um deinen Tag mit einer Meditation beginnen zu können, ist es hilfreich, deinen Wecker eine Viertelstunde vorzustellen, denn so lange sollte diese Übung in etwa dauern. Setze dich dann auf einen Stuhl oder dein Meditationskissen und atme ein paarmal ruhig ein und aus. Nun lege deine Konzentration auf dein Herz und lege beide Hände auf deine Brust. Atme ruhig und gleichmäßig weiter und stell dir dabei vor, wie in deinem Herz ein Licht entzündet wird, das langsam größer wird. Welche Form, welche Farbe hat dieses Licht? Verbinde dich mit diesem Leuchten. Lass dieses Licht langsam größer werden, bis es deine ganze Brust ausfüllt. Wie fühlt es sich an, angefüllt von diesem Licht zu sein?

Manfred Mohr ist Autor und Seminarleiter. Im April ist sein neues Buch „Der Bambus-Effekt“ erschienen, in dem er ein neuartiges 7-Schritte-Programm vorstellt, das dazu dient, unseren Gefühlen wieder einen höheren Stellenwert in unserem Leben einzuräumen.