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 Betreff des Beitrags: Kinderklau
BeitragVerfasst: Mi Jan 18, 2012 7:23 pm 
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Registriert: Fr Dez 16, 2011 9:07 am
Beiträge: 241
Ich habe heute auch ein Thema zu hoppen, schon wieder meinen Ex betreffend. Er ist ja gerade auf Heimaturlaub, wohnt bei seiner Neuen und ruft für meine Begriffe viel zu häufig an, um meinen Sohn zu sprechen. Wie schon erwähnt, will meine jüngere Tochter überhaupt nicht mit ihm sprechen. Nun will er meinen Sohn nächstes Wochenende schon wieder sehen!
Objektiv ist das ja auch zu verstehen, da er den Rest des Jahres (außer für zwei bis drei Wochen in den Sommerferien, wenn der Junge bei ihm ist) seinen Sohn nicht sieht. Mein Verstand versteht das auch. Doch leider versteht mein Herz es nicht und mein Bauch auch nicht!
Das macht mir sehr zu schaffen, da ich doch die Beziehung von Vater und Sohn nicht stören oder gar zerstören will. Ich weiß auch darum, wie wichtig diese Beziehung ist. Der Vater hatte sich allerdings all die Jahre lang nicht um den Jungen gekümmert. Aufzucht, Pflege und Erziehung waren alles meine alleinige Sache. Er meinte, dadurch, dass er das Geld verdiene, hätte er genug geleistet. Für alles andere war ich zuständig. Und jetzt tut er so, als sei er der liebende Vater, macht mit seiner Neuen auf Familie und es tut mir so weh.
Ich habe es schon gehoppt, Ihr kennt mich ja auch mitterweile, immer erstmal selber gucken, aber es tut immer noch weh!!!! Ich könnte schreien vor Schmerz. Ich habe siebzehn Jahre (fast) in ihn investiert und der Alte (Verzeihung) will jetzt die Lorbeeren einheimsen.
Hat er übrigens auch immer in anderen Dingen getan. Meine Ideen hat er zu häufig als seine ausgegeben. Wortklau, Ideenklau, Kinderklau.

Ich bekomme es nicht hin. Wer ist bereit , das mit mir zu hoppen?


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 Betreff des Beitrags: Re: Kinderklau
BeitragVerfasst: Do Jan 19, 2012 12:30 pm 
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Registriert: So Okt 09, 2011 7:50 am
Beiträge: 375
Wenn ich mir als Sonne eine Situation im Leben schaffe, dass ich den Umgang meines 17 Jahre alten Sohnes mit seinem Papa als "Kinderklau" bezeichne, dann liegt das daran, dass ich nicht sehen möchte, dass sich Dinge, Situationen und Beziehungen ändern können und wollen.
Ich werfe meinem Exmann vor, dass er sich früher nicht so sehr um die Kinder gekümmert hat; er war fürs Geldverdienen zuständig, ich für die Zucht und Pflege des Nachwuchses. Das ist in den meisten Familien so und anders auch nicht machtbar - aber das sehe ich im Moment noch nicht.
Ich möchte auch nicht sehen, dass mein Sohn mit seinen 17 Lenzen auch alt genug ist, selbst zu entscheiden, ob er zum Vater will oder nicht, ob er mit ihm am Telefon quatschen möchte oder nicht. Ich nehme die Entscheidung meines Sprosses für oder gegen Kontakt schon wieder auf meine Schultern, um mich zu belasten.
Ich sehe auch nicht, dass ich noch andere Dinge vermische: Mein Ex hat ne Neue, will Kontakt mit seinem Sohn - und ich schließe daraus, dass er jetzt absichtlich "einen auf heile Familie" machen will. Eigentlich weiß ich gar nicht, ob da wirklich alles so heil ist oder ob es nur schein-heil ist. Und wenn es heil ist, könnte doch mein Sohn von diesen positiven Strukturen profitieren. Aber ich bin noch zu verletzt, um die guten Aspekte, die mein Ex jetzt aufzeigen könnte, zu erkennen und zu nutzen. Wenn mein Sohn das Wochenende nicht da ist, könnte ich mir Entspannungszeit genehmigen, etwas Tolles mit meiner Jüngsten machen, müsste weniger kochen, weniger Wäsche waschen - vielleicht bin ich bald in der Lage, auch die guten Aspekte zu sehen.
Ich nenne den Umgang, den der Vater mit dem Sohn jetzt pflegt, Kinderklau. Warum benutze ich so ein hartes Wort, das automatisch mit "Entführung, Kidnapping" in Verbindung gebracht wird? Vielleicht sehe ich mich selbst meiner eigenen Kindheit beraubt. Und alles, was sich auch für meinen Sohn zum Guten bewenden könnte, löst Unbehagen in mir aus, weil ich selbst so viel Mist hinter mir habe. Vielleicht brauche ich auch meine Kinder als Anker im Leben, um nicht umzukippen, die Balance zu verlieren. Und jeder, der sich da einmischt, ist ein Dieb. Vielleicht sehe ich auch die erste Freundin meines Sohnes als Diebin an: Sie raubt mir meinen kleinen Mann, den ich x Jahre gewickelt und gepampert habe - und dann kommt da so eine Frau dahergelaufen und nimmt ihn mir weg, diesen stattlichen, schönen, gut aufgezogenen Mann, den ich geschaffen habe.

Die Situation mit meinem Sohn zeigt mir auf, wie wichtig es im Leben ist, Dingen und ihren Entwicklungen ihren Lauf zu lassen, Neues auszuprobieren, Altes aufzubrechen und abzugeben. Früher hat sich mein Ex nie um den Junior gekümmert. So what...jetzt tut er es, meinem Sohn tut das gut, er hat gerne Kontakt - eine schöne, neue Entwicklung in meinem Leben, die ich versuche, anzunehmen. Ich nehme meine Eifersucht auf die Vater-Sohn-Beziehung in mein Herz. Die Eifersucht ist ein Zeichen dafür, dass ich mit Feuereifer etwas suche, an dem ich mich aufreiben und schlecht fühlen kann. Ich lasse mein fast erwachsenes Kind ziehen und je mehr ich die Leinen löse, desto eher kommt es freiwillig zu mir zurück. Ich lasse alten Strukturen die MÖglichkeit, sich aufzulösen und auch mir Erleichterung zu verschaffen. Ich verzeihe mir, dass ich so mit Eifer etwas suche, um mir zu schaden. Ich verzeihe mir, dass ich an Altem festhalten will und nicht erkenne, dass Entwicklung und Veränderung zum Gesunden dazu gehört. Ich liebe mich. Ich liebe meine Eifersucht. Danke. Amen.

PS: Ich kenne diese Gefühle und die Wut, die Du hast - das ist anfangs einer Trennung ganz normal.


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 Betreff des Beitrags: Re: Kinderklau
BeitragVerfasst: Do Jan 19, 2012 1:34 pm 
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Registriert: Fr Dez 16, 2011 9:07 am
Beiträge: 241
Ich erkenne jetzt meine Gefühle, die so weh tun. Dieses Gefühl des ausgebootetseins, des überflüssigseins.
Ich sehe jetzt den Teil in mir und nehme ihn in mein Herz, dem immer vom Ex gesagt wurde, dass er austauschbar sei und dass jeder ersetzbar sei, auch ich . Ich habe Mitgefühl mit dem Teil in mir, der sein Leben auf die Kinder ausrichtete, weil der Vater es nicht tat und das Leben im Ausland auch nicht viel anderes gestattete. Ich habe Mitgefühl mit dem Teil in mir, der alles gegeben hat und sich jetzt abgeschoben fühlt.
Ich habe Mitgefühl mit dem Teil in mir, der so sehr verletzt wurde; der weiß, wie der Vater sich vor anderen Mitgliedern der Familie (Brüder, Schwestern, Schwiegermutter, eigene Kinder) über mich lustig gemacht hat, seine Witze auf meine Kosten gemacht hat und der nun große Angst hat, dass der Vater das wiederholt. Meinem Ansehen schadet und mich durch den Kakao zieht.
Ich nehme den Teil in mein Herz, der immer Ansprechstation für alle Kinder und alle Probleme war, so dass er selber vollkommen auf der Strecke blieb und nicht mehr weiß, was ein Leben ohne Kinder bedeutet und wie sich das anfühlt. Ja, und in dem Fall tut es mir Leid, dass ich das Gefühl habe, völlig auf der Strecke geblieben zu sein. Es tut mir Leid, dass es so gewesen ist und gebe mir in diesem Fall mein volles Verständnis und Mitgefühl.

Liebe Steffi, zuerst war es starker Tobak für mich, doch haben Deine Worte einiges in mir ausgelöst und mir den Blick dafür geöffnet, was unterschwellig, unbewusst in mir abläuft. Danke dafür!


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 Betreff des Beitrags: Re: Kinderklau
BeitragVerfasst: Do Jan 19, 2012 2:03 pm 
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Registriert: So Okt 09, 2011 7:50 am
Beiträge: 375
Ich tröste Dich, liebe Sonne: Mir ging es nicht anders, als mein Exmann eine neue Partnerin hatte (bis heute) und dort alles Friede, Freude, Eierkuchen zu sein scheint. Ich war wütend, eifersüchtig, fühlte mich abgeschoben, minderwertig.
Und kam mir als Versagerin vor. Beim Papa finden die tollen Action-Wochenenden statt, bei mir nur der Alltag - und zum Dank kriege ich die Schmutzwäsche der Action-Wochenenden im Koffer zurück. Nun ja. Hat mich am Anfang furchtbar verletzt.
Heute sage ich: "So what" und wenn meine Tochter im Umgangswochenende ist, genieße ich die Freizeit. Aber das hat gedauert und es tat schrecklich weh - und irgendwie erkenne ich gerade jetzt, wenn ich das schreibe, dass ich froh bin, dass meine Tochter überhaupt einen Papa hat, der für sie ein wenig da ist (zwar nur, wenn er Lust dazu hat, aber damit kann ich umgehen). Ich hatte keinen Papa, der sich um mich kümmerte und habe schwere Wunden davon getragen. Meine Tochter hat wenigstens einen Papa, den sie anrufen kann, der mit ihr Dinge unternimmt. Das ist wertvoll, trotz aller Tragik, die man als Mutter im Herz trägt. Vielleicht gelingt es Dir, Deine Perspektive zu ändern. Das löst viel.


Ich nehme in mein Herz, dass ich noch immer ein verletztes Kind in mir trage, das auch als Mutter seinen Ausdruck findet, in dem es sich zurück gewiesen und abgeschoben fühlt, wenn das eigene Kind Kontakt zum Vater pflegt. Hier wiederholt sich eine Geschichte für mich und mein inneres Kind, das so sehr vom eigenen Vater missachtet und schlimm behandelt wurde. Ich tröste es und wiege es im Arm und sage: Alles wird gut. Ich liebe Dich, mein Kind. Danke. Amen


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 Betreff des Beitrags: Re: Kinderklau
BeitragVerfasst: Do Jan 19, 2012 6:24 pm 
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Registriert: So Okt 09, 2011 7:50 am
Beiträge: 375
Was dabei noch so in mir hoch kommt:

Ich selbst bin von meinem Vater immer wieder im Stich gelassen und vera...t worden, das hat so tiefe Wunden und Schäden hinterlassen. Jetzt hat mein eigenes Kind auch einen Vater, der durch die Trennung in eine Art extrene Position rückt. Aber auch wenn ich an die Zeit denke, in der wir noch zusammen waren... Der Vater meiner Tochter konnte mir irgendwie in seiner Funktion und Rolle als Vater nichts recht machen. Ich hatte permanent Angst, dass er meinem Kind weh tut oder nicht sorgfältig genug damit umgeht.

Vielleicht brach da ein altes Muster durch: Väter tun ihren Kindern seelisch weh. Und vielleicht entwickelt man deshalb Argwohn und Eifersucht.

Ich nehme den Anteil in mir wahr, dass ich befürchte, der Vater meines Kindes könnte meinen Kind auch solche Schäden zufügen wie ich sie erlitten habe. Vielleicht gehe ich unbewusst davon aus, dass alle Männer eh schlechte Väter sind. Keinem traue ich es zu, ein guter Vater zu sein.

Puh. Das kommt ziemlich krass bei mir an. Ich verzeihe mir, dass ich Männern nicht zutraue, gute Väter zu sein. es tut mir Leid. Ich liebe mich. Danke. Ich bin offen für das, wie es ist. Danke. Amen.


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 Betreff des Beitrags: Re: Kinderklau
BeitragVerfasst: Do Jan 19, 2012 6:31 pm 
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Registriert: Fr Dez 16, 2011 9:07 am
Beiträge: 241
Wenn ich Deine Worte so lese, kommt mir in den Sinn, dass ich auch nie einen Vater hatte. Um es kurz zu machen - der war eigentlich in vielen vielen Punkten so wie mein Ex. Nur dass er eben noch geprügelt hat. Das hat mein Ex mir am Anfang unserer Zeit sozusagen versprochen, dass er das nie tun würde. Hat er auch nicht. Jedenfalls nicht physisch. Aber mit Worten hat er zugeschlagen und das kann oft noch viel schlimmer sein, denn diese Worte trage ich heute noch mit mir herum.
Ich nehme mein kleines verletztes Mädchen zu mir, dass nicht spürt, dass es einen Vater vermisst hat. Meine Kleine war immer lieber ohne Vater als mit dem, den sie hatte. Sie war immer froh, wenn der auf Dienstreise war. Ich nehme meine Kleine in mein Herz, die gar nicht weiß, was es heißt einen liebevollen Vater zu haben.
Ich nehme in mein Herz, dass ich die schöne männliche Kraft in meinem Leben nicht kennengelernt habe und auch nicht als etwas Positives erfahren habe. Ich bin dankbar, dass ich täglich mehr und mehr über mich erfahre und so meine Schattenseiten aufdecke. Danke - aus tiefstem Herzen.


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