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Wenn ich mir als Sonne eine Situation im Leben schaffe, dass ich den Umgang meines 17 Jahre alten Sohnes mit seinem Papa als "Kinderklau" bezeichne, dann liegt das daran, dass ich nicht sehen möchte, dass sich Dinge, Situationen und Beziehungen ändern können und wollen. Ich werfe meinem Exmann vor, dass er sich früher nicht so sehr um die Kinder gekümmert hat; er war fürs Geldverdienen zuständig, ich für die Zucht und Pflege des Nachwuchses. Das ist in den meisten Familien so und anders auch nicht machtbar - aber das sehe ich im Moment noch nicht. Ich möchte auch nicht sehen, dass mein Sohn mit seinen 17 Lenzen auch alt genug ist, selbst zu entscheiden, ob er zum Vater will oder nicht, ob er mit ihm am Telefon quatschen möchte oder nicht. Ich nehme die Entscheidung meines Sprosses für oder gegen Kontakt schon wieder auf meine Schultern, um mich zu belasten. Ich sehe auch nicht, dass ich noch andere Dinge vermische: Mein Ex hat ne Neue, will Kontakt mit seinem Sohn - und ich schließe daraus, dass er jetzt absichtlich "einen auf heile Familie" machen will. Eigentlich weiß ich gar nicht, ob da wirklich alles so heil ist oder ob es nur schein-heil ist. Und wenn es heil ist, könnte doch mein Sohn von diesen positiven Strukturen profitieren. Aber ich bin noch zu verletzt, um die guten Aspekte, die mein Ex jetzt aufzeigen könnte, zu erkennen und zu nutzen. Wenn mein Sohn das Wochenende nicht da ist, könnte ich mir Entspannungszeit genehmigen, etwas Tolles mit meiner Jüngsten machen, müsste weniger kochen, weniger Wäsche waschen - vielleicht bin ich bald in der Lage, auch die guten Aspekte zu sehen. Ich nenne den Umgang, den der Vater mit dem Sohn jetzt pflegt, Kinderklau. Warum benutze ich so ein hartes Wort, das automatisch mit "Entführung, Kidnapping" in Verbindung gebracht wird? Vielleicht sehe ich mich selbst meiner eigenen Kindheit beraubt. Und alles, was sich auch für meinen Sohn zum Guten bewenden könnte, löst Unbehagen in mir aus, weil ich selbst so viel Mist hinter mir habe. Vielleicht brauche ich auch meine Kinder als Anker im Leben, um nicht umzukippen, die Balance zu verlieren. Und jeder, der sich da einmischt, ist ein Dieb. Vielleicht sehe ich auch die erste Freundin meines Sohnes als Diebin an: Sie raubt mir meinen kleinen Mann, den ich x Jahre gewickelt und gepampert habe - und dann kommt da so eine Frau dahergelaufen und nimmt ihn mir weg, diesen stattlichen, schönen, gut aufgezogenen Mann, den ich geschaffen habe.
Die Situation mit meinem Sohn zeigt mir auf, wie wichtig es im Leben ist, Dingen und ihren Entwicklungen ihren Lauf zu lassen, Neues auszuprobieren, Altes aufzubrechen und abzugeben. Früher hat sich mein Ex nie um den Junior gekümmert. So what...jetzt tut er es, meinem Sohn tut das gut, er hat gerne Kontakt - eine schöne, neue Entwicklung in meinem Leben, die ich versuche, anzunehmen. Ich nehme meine Eifersucht auf die Vater-Sohn-Beziehung in mein Herz. Die Eifersucht ist ein Zeichen dafür, dass ich mit Feuereifer etwas suche, an dem ich mich aufreiben und schlecht fühlen kann. Ich lasse mein fast erwachsenes Kind ziehen und je mehr ich die Leinen löse, desto eher kommt es freiwillig zu mir zurück. Ich lasse alten Strukturen die MÖglichkeit, sich aufzulösen und auch mir Erleichterung zu verschaffen. Ich verzeihe mir, dass ich so mit Eifer etwas suche, um mir zu schaden. Ich verzeihe mir, dass ich an Altem festhalten will und nicht erkenne, dass Entwicklung und Veränderung zum Gesunden dazu gehört. Ich liebe mich. Ich liebe meine Eifersucht. Danke. Amen.
PS: Ich kenne diese Gefühle und die Wut, die Du hast - das ist anfangs einer Trennung ganz normal.
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