Glückssteffi hat geschrieben:
Wenn ich im Zusammenhang mit Sex akrobatische Bewegungsabläufe wie Ballett und Kunstturnen nenne, fällt mir spontan ein: "Pflicht oder Kür"??? Ist für mich Sex eher die Pflicht oder doch die Kür? Im Moment schätze ich eher ersteres. Ich vollziehe die ehelichen Pflichten - nicht mehr, nicht weniger. Dazu kommen diverse körperliche Verrenkungen, Turnübungen...das klingt alles nicht sehr erquicklich, sondern nach Qual, Schmerz und Strapaze und viel, viel Pflicht.
Wenn ich dann in einem Aromatherapiebuch lese, dass man Düfte aussendet, die die Bereitschaft signalisieren und ich das gleich auf mich münze, in dem ich sage: "Dann sende ich wohl nichts aus, obwohl ich eigentlich gerne will"...dann frage ich mich in dem Moment: Ab wann findet Sex eigentlich statt? Was bedeutet Sex eigentlich für MICH? Habe ich mich mit meiner Sexualität und den Wünschen an sie überhaupt jemals wirklich befasst? Oder habe ich einfach Sex gemacht, weil es verlangt wurde?
Vielleicht bin ich in der Tat noch nicht so weit, Sex zu haben. Ich war 25 Jahre Ehefrau, die ihre Pflichten erfüllt hat - auch im Bett. Jetzt bin ich gerade mal 6 Monate allein, keine lange Zeit also, um all diese Berge an Ungereimtheiten in meinem Leben zu sichten und zu ordnen.
Ich bemerke, dass ich Zeit brauche, um zu heilen. Zeit, in der ich mich meiner Sexualität widmen möchte, in mich hineinhorche und frage: Was will ich eigentlich vom Sex? Wie stelle ich ihn mir vor?
Denn wenn ich so reinfühle, dann spüre ich, dass ich mich nach so einer tiefen Vertrautheit sehne, einem sich-fallen-lassen-Können, Sinnlichkeit, Zärtlichkeit, Wärme...und kein stumpfes, derbes Rein-Raus-Geturne im Ehebett.
Vertrauen braucht Zeit. Ich brauche Zeit, meine Sexualität braucht Zeit und ich wünsche mir, dass ich in der Lage bin, diese Zeit zu geben und bewusst zu erleben.
Ich liebe meine Sexualität, die ich kennen lernen will. Ich mache mich auf den Weg, meine innigsten Wünsche kennen zu lernen und künftig zu artikulieren.
Ich liebe mich. Friede. Danke!
Danke Steffi,
ich habe jetzt zwei Tage gebraucht, um das zu verdauen. Nachdem ich Deine Zeilen jetzt noch einmal gelesen habe, erscheinen sie mir nicht mehr so heftig wie vorher.
Und nun bin ich Dir sehr dankbar, denn ich hatte zuerst etwas gelesen, was sich anhörte wie: Jetzt war sie schon so lange verheiratet, jetzt will sie auch noch Sex und womöglich noch eine neue Beziehung.
Gemäß dem Resonanzprinzip habe ich mich erforscht und letztendlich herausgefunden, dass das
m e i n Glaubenssatz ist. ICH denke über mich, dass ich es die letzten 25 Jahre (der Vollständigkeit halber, davon waren die letzten vier nur noch eine WG mit getrennten Schlafzimmern) nicht geschafft habe, die Ehe aufrecht zu erhalten, fühle mich immer noch schuldig und demnach jetzt auch kein Recht auf Glück habe.
Es tut mir Leid, dass ich so viele verquere Glaubenssätze in mir vereine. Es tut mir auch Leid, dass ich mich jahrelang gequält und verbogen habe, Energie-Tankstelle für jemanden war, der nur genommen hat. Es tut mir auch Leid, dass ich mir mein Glück nicht gönne. Ich bin jetzt auf dem Weg, mich selbst zu entdecken. Dabei hat mir das Hoppen mit Dir, mit Euch auch sehr geholfen, denn so musste ich meine Gedanken einmal klar formulieren, bekam Antworten, die mir wiederum halfen, mein Innerstes zu erkunden. Amen.