...also ich versuch in Kürze erstmal die Situation ein wenig zu erläutern. Mein Bruder hat seine Frau mit einer anderen betrogen. Irgendwann hat er reinen Tisch gemacht und hat Frau und Kind verlassen um mit dieser besagten anderen zu leben. Is soweit leider nichts ungewöhnliches. Das komische an der Sache war, dass er sich nach dieser ganzen Affäre und diesem sehr großen Einschnitt sehr aggressiv gegenüber meiner Mutter verhalten hat...er fing an sie grundlos zu beleidigen. Zu mir verhielt er sich eigentlich noch ganz normal. Bis ich nicht mehr zusehen konnte und das Gefühl hatte ich müsse meine Mutter verteidigen. Ich hab ihm dann ebenfalls sehr schlimme Sachen an den Kopf geworfen. Er wiederum warf uns vor, dass wir immer noch Kontakt zu seiner Ex-Frau hätten. Da kam wohl in ihm das Gefühl auf, die stecken wohl alle unter einer Decke und ich bin der alleinige Böse in dieser Geschichte. So weit der Grund für den Kontaktabbruch seinerseits.
Nachdem ich das erste Mal über das "Hoppen" gelesen habe, dachte ich...yes...dafür ist meine Geschichte ja wie dafür geschaffen und habe das eben versuchsweise ausprobiert: Ich habe mir in einem stillen Moment Gedanken gemacht...ich hab mir gesagt...ich bin jetzt er und stelle folgende Fragen an mich:
Warum habe ich mich so verhalten?
Woher rührt meine Aggressivität?
Warum liebe ich meine Frau nicht mehr?
Warum breche ich den Kontakt zu meiner Familie ab?
Und während ich ER war....sprudelten alle Antworten darauf nur so aus mir heraus...die entscheidenste Antwort von allen war: Ich schäme mich...ich war immer Klassenbester, später der beste Student in meinem Jahrgang, ich war immer der Beliebteste, der Traum aller Schwiegermütter, ich übe meinen Traumjob aus und verdiene viel Geld, ich habe ein Haus, eine tolle Frau und ein gesundes lebensfrohes Kind. Man konnte immer stolz auf mich sein und jetzt habe ich einen Riesenfehler begangen. Mein Schein auf die Außenwelt ist jetzt ein negativer. Dafür schäme ich mich und ich schäme mich, dass ich andere Menschen entäuscht habe. Es tut mir leid. Ich liebe mich.
Nach dieser Gedankenspielerei empfand ich sofort keinen Hass mehr. Zwar kam jetzt auch nicht sofort die große Liebe zu ihm in mir hoch, aber ich fühlte mich dennoch befreiter...so als ich hätte ich gerade tatsächlich ein Klärungsgespräch mit ihm persönlich geführt. Ich empfand also keinerlei negativer Gefühle mehr hinsichtlich dieser Angelegenheit, die ganze Wut, die Streitlust meine eigene Aggressivität ihm gegenüber. Und weil ich mich gerade schon in so einem positiven Gefühlszustand befand hab ich gleich noch eine Bestellung hinterher geschickt. Ich wünsche mir, dass er sich bei meiner Mutter meldet...so bald wie möglich...bitte...DANKE!
Ja und dann hab ich mich eigentlich nicht mehr wirklich viel mit dem Thema beschäftigt (Loslassen). Hin und wieder flammte schon mal der ein oder andere Gedanke auf, aber ich dachte mir: Hey, der meldet sich schon irgendwann...(Vertrauen). Nun ja und dann kam der Anruf meiner Mutter: "Rate mal, wer mir heute einen Brief geschrieben hat....!"(Da hab ich erstmal auch noch falsch geraten"

)...und ich stand da ... mit offenem Mund

... aber ich war auch ein wenig stolz auf mich...auf das was alles so tief in mir steckt, was in jedem von uns steckt und was man vorher gar nicht für möglich hielt.
Liebe Love,
ich kann mit dir und deiner Mutter sehr gut mitfühlen...unser Papa lebt auch nicht mehr etc....verlier einfach nicht deine Positivität...das hilft auch bei meiner Mutter am Besten, wenn sie mal wieder down ist...
Mit deinen Brüdern bist du vielleicht auf dem richtigen Weg...wenn du dir sagst ...ok...die sollen ihre eigenen Erfahrungen machen...Dadurch lässt du einerseits los...Aber setze dich doch auch mal in einem stillen ungezwungenen Moment hin und spiel erst den einen dann den anderen Bruder...und danach sei einfach wieder du...mit dir selbst im Reinen und vertraue darauf, dass die beiden Hitzköpfe

irgendwann auch mal zur Ruhe kommen werden...
Ich denk an euch
