Hallo Manfred,
da ist ja einiges dabei, was sich "personalisieren" lässt

Ich nehm' mal was für mich raus:
Es ist nicht mal so, dass mich an meinem Angetrauten im Alltag groß was nervt, wir sind schon seit jeher erstaunlich gut auf einer Wellenlänge und haben uns eigentlich noch nie richtig gefetzt, was aber nicht etwa mit Vermeidung zu tun hat, wir sind einfach ganz gut darin unsere Standpunkte zu klären und keiner von uns beiden steht auf dramatische Selbstinszenierungen.
ABER dass es schon so lange der gleiche Mann ist, der auf mehr oder weniger bekannte Art die gleichen Knöpfe (nicht unbedingt die roten

) an mir drückt, damit hat es wohl was zu tun
Also Sehnsucht nach dem "Kick" des Anfangs oder so, den anderen unbedingt und mit jeder Faser zu wollen, den man nach 10 Jahren irgendwie nicht mehr so verspürt.
Ich versuche das liebevoll anzunehmen, aber es fällt mir schwer. Wenn ich das schaffen würde, dann könnte ich entweder mit der Idee lebenslanger bedingungsloser Treue Frieden schließen, oder ich würde einen Weg finden, mit meinem Mann ein anderes "Modell" zu leben.
Aber da herrscht ganz klar noch ein Zwiespalt/eine Blockade/Angst, was einerseits damit zu tun hat, wie ich denke, dass mein Mann das Thema im Gegensatz zu mir sieht (oje, war das verständlich? =) ). Und auch damit, dass ich nicht weiß, wie ich mir mit ihm den erwünschten "Kick" nach 10 Jahren nochmal hochholen könnte.
Manfred hat geschrieben:
Jetzt kommt dieser neue Mann, und alle meine Träume und Wünsche und Erwartungen projeziere ich juchheissassa auf diesen Mann: mit dem wäre es toll, einzigartig. In meinen Träumen mache ich diesen Mann vollkommen, und das turn mich so richtig an.
Interessant - es stimmt, dass ich projiziere, aber ein bisschen anders als du es hier meinst, nämlich nichts, was mit Beziehung zu tun hat.
Ich stelle fest: Ich genieße es, diesen neuen Mann zu bewundern. Mit dem Partner fühle ich mich auf vertrauter Augenhöhe, zu dem "Neuen" schaue ich auf. Er hat was erreicht, das ich auch gerne schaffen würde: er lebt ganz kompromisslos und leidenschaftlich seinen größten Traum und arbeitet hart dafür, etwas, das bei mir zu meinem Bedauern völlig ins Hintertreffen geraten ist: Elternzeit, Bequemlichkeit, Zweifel, aus was für Gründen auch immer.
Bin ich also in die Vision, das Vorbild verliebt, die er darstellt? In die Eigenschaften, die er mir in dieser Sache voraushat, so als könnte ich sie mir so zu eigen machen? Gut, da reichen ja in erster Linie nur mal Anerkennung und Bewunderung. Habe ich mich nur zusätzlich "hormonell" verknallt, weil er dazu zufällig auch noch sehr lecker aussieht? Es stimmt ja, dass ich ihn nicht besonders gut kenne. Meine ich gar nicht ihn, sondern meine eigenen unerfüllten Träume, die er im Gegensatz zu mir ja lebt?
Total spannend, auf was mich das bringt. Ich gewinne bereits Abstand.
Denn wenn ich das annehme, kann ich mir vorstellen, ohne lästige Hintergedanken mit diesem Mann umzugehen, ohne innerlich jedes Mal ganz aus dem Häuschen zu geraten, denn dann ist er für mich eine Inspiration und das bringt mich weiter, anstatt zu bewirken dass ich mich lächerlich fühle (und obendrein eine latente Gefährdung für meine Beziehung darstellt).
Manfred hat geschrieben:
Ich komme mir sogar etwas ferngesteuert vor, diesen neuen Mann so toll zu finden, welcher Teil in mir ist das überhaupt? Es ist der Teil, der gelobt werden will, der übertoll sein möchte und vollkommen, makellos.
Absolut zutreffend, in jeder Hinsicht. Ich fühle mich von dem hirnlos verliebten Teil in mir völlig genervt und ferngesteuert, ich betrachte ihn von außen und denke: Du störst. Wo kommst du her, was willst du? Wieso lässt du mich handeln und denken wie ein pubertierendes Etwas? Gehst du auch wieder weg? Und es scheint tatsächlich der Teil von mir zu sein, der mehr, besser, toller sein möchte, der mehr erreichen und darstellen will, der selbst angehimmelt werden will.
Die Angelegenheit ist vielschichtiger als ich dachte, cool
Danke!!
Auryn