Edit:
Hallo Sangay,
... ich habe Dir geschrieben, dass ich Deine Fragen beantworte und hier ist der Beitrag... (er hat zwar etwas länger gebraucht ... aber mal schauen, vielleicht kannst Du ja was damit anfangen...

)
Und nun zu Deinen beiden Fragen:
1. Wie kann ich neugierig machen auf Veränderung?
2. Du möchtest eine konkrete Formulierung zum "Hoppen"
zu 1.:Kennst Du die "Wunderfrage" von Steve DeShazer?
Anhand dieser ungewöhnlichen Frage, kann der Klient eine realistische Vision seiner Zukunft entwerfen... für die Arbeit mit Jugendlichen kann man anstelle der Wunderfrage die Crystalkugel-Technik wunderbar nutzen...
Mehr Infos gebe ich Dir gerne per pn - ich denke, hier würde es den Rahmen sprengen, die Methode im Detail vorzustellen...
zu2.:Ich habe jetzt keine einfache Fragestellung parat und versuche deshalb hier einmal zu zeigen, wie ich zu dem Thema "
mich selbst unter Druck setzen" diese Methode anwenden würde ...
Zuerst erstelle ich eine Liste, in der ich aufschreibe, bei welchen Gelegenheiten, ich mich unter Druck setze. Dabei könnten zum Beispiel folgende Fragen hilfreich sein*:
Setzt mich mein Arbeitsauftrag unter Druck? Wenn ja, wer gibt mir den Auftrag? Der ASD, die eigene Institution (Träger), meine KollegInnen, die Familie oder gebe ich mir den Auftrag selbst?
Kommt der Auftrag von außen, stelle ich mir die Frage, inwieweit ich hinter dem Auftrag stehe.
Fühle ich mich zur Erfüllung des Auftrags ausreichend kompetent?
War die Antwort, dass ich mir selbst den Auftrag gebe, stelle ich mir als nächstes die Frage, woher kenne ich diese Situation, wann habe ich sie das erste Mal (respektive: das letzte Mal) in einem anderen Kontext (welcher war das?) erlebt?
Wann übernehme ich welche Verantwortung von wem?
Wer überträgt mir möglicherweise welche Verantwortung? Das JA, die Institution, die Familie, ich mir selbst?
Wie leicht (oder schwer) fällt es mir, Verantwortung und Kontrolle abzugeben?
Wenn ich zu Gast in der Familie bin: Wer passt sich wem an? Erwarte ich, dass sich die Familie, in deren Lebensraum ich eindringe, an mich, meine Vorgaben und Rahmenbedingungen und mein Tempo anpasst? Wo passe ich mich an die Klienten an? Wie leicht / schwer fält mir das?
Wie erlebe ich meine Klienten? Erlebe ich sie als Partner oder als Gegner?
In welchen Situationen erlebe ich sie wie?
Respektiere ich ihre Familienrituale (z.B. wer sitzt am Tisch wo?) und ihre Privatsphäre? Wie zeige ich ihnen meine Wertschätzung, dass sie mir einem Fremden Einlass gewähren?
Zeige ich echtes Interesse an ihren bisherigen Lösungsversuchen? Inwieweit vertraue ich darauf, dass meine Klienten bereits alle Ressourcen und Fähigkeiten in sich tragen?
Berücksichtige ich bei meinen Lösungsvorschlägen die Sichtweise aller Familienmitglieder?
Wo erhalte ich von wem für meine Arbeit Anerkennung und Lob? Von den Klienten? Von meinem Chef und den KollegInnen? Von meiner Familie? Meinen Freunden?
Erkenne ich mir selbst meine Leistung an? Wie wertschätze ich meine Arbeit? Belohne ich mich nach einem anstrengenden, einem schweren, einem erfolgreichen Arbeitstag? Gönne ich mir eine Belohnung?
Wie sorge ich dafür, dass es mir gut geht? Vor den Terminen, während der Termine und ebenso nach den Terminen?
Was tue ich für mich?
Nachdem ich diese Fragen beantwortet habe (und möglicherweise finden sich hier auch an der ein oder anderen Stelle durchaus Parallelen zu bekannten Situationen aus dem Privatleben...) fühle ich in mich hinein und achte darauf, welche Gefühle jede einzelne Antwort begleiten...
Jedes dabei auftauchende Gefühl (Wut, Zorn, Ärger, Trauer, Enttäuschung, etc.), dass mir unangenehm ist und den Druck auf mich erhöht, begrüße ich mit folgenden vier Sätzen:
"Es tut mir leid!"
"Bitte verzeih mir!"
"Ich liebe dich!"
"Ich danke dir dafür!"
Und nach diesen vier Sätzen verabschiede ich das Gefühl.
Das wäre mein Vorschlag und meine persönliche Art und Weise, wie ich in einer solchen Situation eine individuelle und abgewandelte Version des "Ho'oponopono" als Methode nutzen würde...
Vielleicht erscheint es dem einen oder anderen umständlich oder ungewohnt, nicht das Verhalten anderer Personen zu hoppen sondern die in mir dazu auftauchenden Gefühle ... ich für mich habe die Erfahrung gemacht, dass ich so leichter bei mir selbst bleibe und sowohl intensiver als auch ehrlicher mit meinem eigenen Anteil arbeite...
...und noch etwas... ich persönlich frage mich nur noch höchst selten "Warum?". Ich brauche keine Gründe mehr zu hoppen... denn hinter jedem Grund, den herauszufinden ich beabsichtigte, fand sich bisher noch immer ein weiterer Grund - noch tiefer - und auch hinter diesem Grund versteckte sich ein weiterer Grund... so ähnlich, wie wenn Kinder endlos fragen: "Und warum?"...
Da ich eh die Verantwortung trage für alles, was ich in meinem Leben konstruiere... wozu brauche ich da noch einen Grund?
So, Sangay, das war jetzt eine relativ ausführliche Antwort... vielleicht ist ja irgendwas für Dich dabei...
Liebe Grüße,
Perceval
P.s.:
* Die hier aufgeführte List ist rein exemplarischer Natur. Je nachdem wie sich die eigene Situation anfühlt und darstellt, tauchen während des Prozesses vielleicht ganz andere Fragen auf... ich sehe mich als Anwender und dieser Beitrag ist mehr ein Beispiel dafür, wie ich es anwenden würde... ob es als Muster zur Nachahmung hilfreich sein könnte, kann ich nicht sagen... möglicherweise wäre die Teilnahme an einem Seminar von Dr. Len (oder einem anderen Lehrmeister) da der effektivere Weg, um die Kraft und Wirkung dieser Methode kenne zu lernen...
Ach ja, so eine Durchführung dauert bei mir nicht länger als 15 bis 30 Minuten ... ich würde ein Thema eher mehrmals abschnittsweise hoppen als 30 Minuten zu überziehen... ist übrigens auch eine Möglichkeit, um die Familien, die einen nach Dienstschluss gedanklich nach Hause begleiten zu verabschieden...