|
Hallo,
wenn ich so ein Chef wäre, warum würde ich mich so verhalten?
Ich habe eine Vorstellung davon, wie ein Chef zu sein hat: Ich sage, was gemacht wird. Vor allem finde ich ganz toll, bestimmen und Chef sein zu dürfen, endlich hab ich mal was zu sagen. Ich denke, ein Chef entscheidet ohne Rücksprache, ein Chef entscheidet allein, ein Chef zeigt Härte und keine Schwäche. Ich denke, Kompromissfähigkeit würde als Schwäche ausgelegt.
Nehme ich es in mein Herz, dann sehe ich, wie schlecht ich mit Macht umgehen kann. Einerseits ist es ja toll, bestimmen zu dürfen, andererseits macht es mich einsam und traurig. Ich würde ja gern ein "guter" Chef sein, aber dann tanzen mir doch alle auf der Nase rum? Ich schaffe diesen Spagat einfach nicht, bestimmmend UND rücksichtsvoll zu sein. Ich bin richtig verzweifelt deshalb.
Nehme ich meine Verzweiflung in mein Herz, dann wird sie langsam heil. Ich fange an, über die Situation zu sprechen, eine positive Veränderung herbeizuführen. Ich gebe den Mitarbeitern mehr Freiraum, selbst entscheiden zu dürfen.
Wenn ich so einen Chef hätte, warum erschaffe ich ihn mir so?
Es gibt Teile in mir, die sich auch so verhalten würden, käme ich auch einmal in seine Position. Ich hätte auch Ängste, dass Mitarbeiter meinen Anweisungen nicht Folge leisten könnten, und wäre darum manchmal zu hart. Ich könnte auch oft nicht mit Mitarbeitern freundlich umgehen, die mich in Frage stellen und die alles ausdiskutieren wollen. Ich hätte auch Angst, meinen Job zu verlieren, wenn nicht meine Mitarbeiter die entsprechende hohe Leistung bringen, und fordere daher zuviel von ihnen.
Nehme ich es in mein Herz, dann zeigt mir dieser Chef netterweise, wie ich sein könnte, würde ich einmal in seine Position versetzt. Er zeigt mir meine Teile, die auch mal bestimmen wollen. Er zeigt mir, wie ich es anders und besser machen würde, durch sein schlechtes Beispiel, was doch in mir drin ich auch selber bin.
Nehme ich es in mein Herz, spüre ich, dass ich mich an ihm rächen will. Auge um Auge, Zahn um Zahn. Aber ich spüre auch, dass er sich an mir und uns rächt, stellvertretend für diejenigen, die ihm früher einmal Ähnliches zugefügt haben. Ja aber dann wäre ich doch wie er? Ich würde durch meine Rachegelüste (die ich in meinem Gedanken täglich schon ausführe und ausstrahle) nicht anders sein als er?
Ich nehme meine Rachegelüste in mein Herz. Ich liebe auch den Teil, der sich rächen will, denn eigentlich ist es dieser Teil, der diesen meinen Chef erschafft. Wo will ich mich rächen? An wem? Ich nehme meine Rache in mein Herz. Denn eigentlich ist es sie, die heilen möchte.
Viele Grüße
Manfred
|