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Ich nehme mal an, dass Du noch relativ neu im Bereich *soziale Arbeit* bist.
Mein Partner hat mit kriminellen Jugendlichen gearbeitet, und war nach ein paar Jahren ausgebrannt.
Er ist heute noch davon angeschlagen.
Mir stellt sich die Frage nach der eigentlichen Motivation von Dir. Helfen zu wollen in allen Ehren- ohne nötiges Wissen u Erfahrung- das halte ich für fahrlässig.
Gerade Kinder ist ein sehr sensibles Thema, und selbst die Wissenschaft stösst an ihre Grenzen, wenn es darum geht, die Vorgänge in Kinderschändern zu erfassen u Möglichkeiten der Eindämmung zu finden.
Hast Du Dich für ein umfassendes Bild auch mit Opfern auseinander gesetzt?
Ich habe den Eindruck, da du ihn ja als Monster *ungelogen* bezeichnest, dass es eine gewisse Faszination ausübt. Ein bischen, ich kann das Monster in seinem Käfig beobachten - und dann wieder gehen... Adrenalinkick. Würdest Du *Feldarbeit* mit nicht verurteilten Kinderschändern machen? Oder solchen, wo es bekannt ist und es noch nicht mal zur Anklage kam? Ausserhalb v Gefängnissen?
Die Tochter meines Freundes wurde als sie ca 7 war unsittlich von einem Jugentlichen berührt. Für eine Anklage war das das zu wenig. Das hat sie traumatisiert. Der Täter *frei*.
Schwerer sexueller Missbrauch kommt nicht von heut auf morgen, und ich kenne Menschen, die eine traumatische Kindheit hatten und auch nicht zu Kinderschändern wurden.
Ich verstehe einfach nur nicht, warum Täter so viel mehr Aufmerksamkeit bekommen. Und gerade bei Kinderschändern gibt es so selten (wenn überhaupt) *Heilung*. Wie oft wurden sie aufgrund positiver Gutachten u Prognosen entlassen um dann wieder rückfällig zu werden..
Währenddessen wurden keine Energien investiert, um ein sichereres Umfeld für Kinder zu schaffen.
Ich habe den Eindruck, dass Du da sehr blauäugig rangehst, auch wenn Du Dich in einer sicheren Position fühlst.
Dieser Arzt hat das aus Entfernung getan, es startete sicher als *Versuch*. Daraus geht auch nicht hervor, bei wie vielen es nicht *geklappt* hat. Es ist auch nicht gesagt, wieviel und welche Erfahrungen er schon hatte und Straftäter ist nicht gleich Straftäter. Wiederholt zu stehlen ist etwas anderes als wiederholt Kindern Gewalt anzutun.
Autoknacker, Bankräuber, selbst Mörder zu hoppen ist anders als sich Kinderschändung zu öffnen. Und da ist es nicht getan *ich liebe mich* zu sagen. Kannst Du Dir beim Hoppen wirklich sagen, ich verzeihe mir, dass ich einem Kind Gewalt angetan habe? was ist der *Grund* und ist es wirklich ein Grund oder nur eine fadenscheinige Erklärung.
Wie kommt es dass manche eben nicht das selbe *wiederleben* was ihnen angetan wurde?
Ich merke nur, wie dieses Thema an meinen Nerven zehrt. Und ich bin etwas schockiert, weil ich denke, dass Helfersyndrom, Selbstüberschätzung, Unerfahrenheit und Faszination am Bösen hier am Wirken sind. Ich meine das nicht angreifend, ich würde mir nur wünschen, dass mehr Menschen ihre Energien dem Schützenswerten geben würden. Sich ünermüdlich im Bereich Kinderschutz statt Täterrehabilitation einzusetzen.
Ich glaube, es ist Dir nicht mal bewusst, wieviel Energie Du hier abziehst. Sicher nicht bewusst, aber dieses Thema ist hochsensibel und viele die ich kenne, gehen sofort in eine *ich verteidige die, die sich nicht verteidigen können*-Haltung. Und freundlich zu bleiben zu jemandem, der mal anfragt, ist da sehr schwierig.
Ich merke das an mir, ich bemühe mich Deinen Standpunkt zu sehen und zu verstehen, und gleichzeitig kann ich es nicht verstehen. Ich frage mich *wie kannst Du nur so blauäugig sein*, ich frage mich, ob Du je mit jemandem gesprochen hast, der stellvertretendes Opfer dieses Mannes war und wie Du diesem erklären könntest *ich hoppe das mal, ich verzeihe das stellvertretend*. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Du mit Opfern zu tun hattest, deshalb verstehe ich das nicht. Ganz zu schweigen, dass ich den Eindruck habe, dass Du Dich selbst in Situationen bringst, deren Umfang Dir gar nicht bewusst sind.
Dass Du hier fragst, zeigt vielleicht, dass Du Dir selbst nicht sicher bist, dass Du vielleicht weisst, dass Du dem nicht gewachsen bist.
Inzwischen bin ich ruhiger, und ich hoffe, dass dieses Thema keine Traumata bei anderen ausgelöst/wachgerufen hat. Denn leider kennen zuviele Menschen Fälle von Kindesmissbrauch die nicht zur Anklage kamen, deren Wunden immernoch offen sind, und dann zu lesen, dass Täter Aufmerksamkeit bekommen, hinterlässt zumindest bei mir ein Gefühl von Unverständnis, Ekel, Hilflosigkeit und Aggression.
Ich möchte Dir damit nicht zu nahe treten, nur zur Sprache bringen, was alles noch daran hängt. Wieviele Wunden es aufreisst, allein schon zu lesen, auf was Du Dich einlassen möchtest.
Was erwartest Du? Dass jemand sagt- ja toll, mach doch? Wenn es so toll wäre, oder moralisch vertretbar, hättest Du es vielleicht schon gemacht, ohne zu fragen, ohne davon zu erzählen.
Und wofür? Heilung? Wirklich?
Was ist mit den vielen traumatisierten Kindern? Den traumatisierten Familien, Angehörigen?
Vielleicht kennst Du noch nicht mal einen *Fall*, hast nicht erlebt, wie ein Kind nach Jahren immernoch Ängste u Alpträume hat, und man sich hilflos fühlt, obwohl das Ereignis vor unserer gemeinsamen Zeit stattfand.
Ich glaube nämlich, dann stellt sich diese Frage gar nicht.
Ich habe nun fast 2 Stunden o mehr mit meiner Antwort verbracht. Und ich komme zu dem Schluss, dass ich mir gewünscht hätte, Du hättest etwas intensiver über dieses Thema nachgedacht. Ich wünschte, ich wäre nicht auf dieses Thema gestossen. Es bleibt ein Gefühl von Unverständnis.
Gerade weil es um das Thema Kindesmissbrauch geht, und wieder der Täter im Mittelpunkt steht. Ich möchte den Kommentar gern abschliessen, aber ich habe das Gefühl, ich kann nicht.
Ich denke mal, ich befinde mich in einer Schocksituation.
Es schockiert mich, dass sich jemand ernsthaft jemandem zuwenden kann, der wegen schweren sexuellen Missbrauchs an KindERN verurteilt ist. Ich hatte das am wenigsten an einem Platz wie hier erwartet. Wo man sich gegenseitig bei *Alltagsproblemen* hilft. Wo Leute sind, die sich eh schon mit Höhen u Tiefen auseinander setzen u durchaus vom Leben gebeutelt sind. Wo manche daran arbeiten, Übergriffe jeglicher Natur zu verarbeiten. Ich will nicht wissen, wieviel mit dieser Frage hier kaputt gegangen ist. Für mich vieles. Ich habe dies hier als eine Art geschützten Raum angesehen. Keinesfalls hatte ich damit gerechnet hier jemandem anzutreffen, der mal eben die Frage in den Raum stellt. Es ist ja nicht so, dass Du schon daran gearbeitet hättest und Erfolge u Misserfolge beschrieben hättest. Und um eine Antwort zu geben, was die meisten hier instinktiv wenigstens in Gedanken tun, taucht man ein in dieses Thema- was würde ich tun........
Was auch immer..
Ich hatte schon in der Vergangenheit Probleme mich abzugrenzen, und zu bemerken mit welchem Sog meine Energien hier weggangen sind, und wie sehr ich dagegen angekämpft habe - das will und muss ich nicht haben. Es gibt auch eine Verantwortung, sich bewusst zu sein, was man anderen zumutet. Und die ist hier damit nicht gegeben.
Und ich möchte keinesfalls nochmals so einen extremen Energieverlust erleben. Statt hier Hilfe u Anregung zu finden o zu geben, finde ich mich in einer Schocksituation wieder.
Und falls es Dir halt nicht bewusst war, wollte ich es mitteilen. Allzuoft schweigen Opfer. Ich möchte einfach, dass Du weisst, was dieses Thema alles auslösen kann. Dass die Taten eines Menschen so weitreichend sein können, dass es selbst Menschen trifft, die nicht mal wussten, dass dieser Mensch überhaupt existiert. Die Tat dieses Menschen, Deine Auseinandersetzung damit und meine Auseinandersetzung mit Deiner und seiner Taten und das Wissen um anderer bilden eine Spirale- ich habe Herzrasen, zittere, mir ist übel. Ich könnte heulen und kotzen. Klar habe ich mich dem Thema geöffnet, ich habe nur nicht schnell genug zu machen können. Aber mit einem sensibleren Umgang deinerseits wäre das vielleicht gar nicht notwenidig gewesen. Und mit weniger *ich bin neugierig* meinerseits wäre ich gar nicht in die Situation gekommen. Fakt ist, dass es bei mir einen verheerenden Effekt hatte, und ich würde mir wünschen, dass Du das Wissen darum in künfige Überlegungen mit einbringst. Unsere Worte haben einen Einfluss, und selbst innerhalb schwieriger Themen können wir so kommunizieren, dass wir andere von vornherein vor Schaden bewahren. Wenn wir erkennen lassen, dass wir um die Sensibiltät wissen. Was ich Deinem Fall vermisste und was sicher viel von den Emotionen aufbrachte.
Letztlich bin ich dankbar für die Erkenntnis, die ich daraus ziehe. Ich möchte mir nicht anmassen, zu wünschen o zu hoffen, was andere tun sollten.
Ich habe mich nun 5 Stunden damit beschäftigt, und fühle nun, dass ich zu einem guten Abschluss für mich gekommen bin. Vielleicht ist auch nur meine Kraft weg, den Kopf zu schütteln.........
Und ich möchte dem Impuls widerstehen, den Beitrag einfach nicht zu posten.
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