Hallo zusammen,
ein interessantes Thema, da ich auch seit einigen Jahren im Gefängnis arbeite, allerdings nicht ehrenamtlich, sondern ich verdiene mein täglich Brot damit (danke, liebes Universum, dass ich heute den Jackpot knacken werde, denn dann kann ich nur noch ehrenamtlich ab und an zum Schachspielen kommen

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Die ersten beiden Jahre waren sehr hart für mich, ich bin zufällig, bedingt durch Arbeitslosigkeit in einen Bereich gekommen,, für den ich weder geschult noch vorbereitet war. Mittlerweile bin ich genau wie alle anderen hier versiert, was die Arbeit im sachlichen Bereich anbetrifft. (Ich arbeite in der Verwaltung, habe allerdings auch viel Insassen vor mir sitzen bei der Aufnahme).
Am Anfang - und das ist normal - hast du irgendwo ein Helfersyndrom und lässst Dich auch psychisch in diese Sache mit reinziehen. Ich habe Akten gelesen, die so übel waren, dass ich in der Mittagspause geheult habe. Aber irgendwann, bedingt auch durch meine eigene Weiterentwicklung, dachte ich mir, sie wollten es so, also haben sie es so. Jeder ist seines Glückes Schmied. Jeder zieht das in sein Leben, was er möchte, und da ich nicht mehr möchte, dass es mich belastet, sehe ich es rein aus beruflicher Sicht und lasse sämtliche Emotionen raus. Das heißt nicht, dass ich böse oder gefühlskalt bin, im Gegenteil, meien Devise ist *ich möchte abends in den Spiegel sehen,w enn ich nachhause komme*, aber ich mache mir diese Dinge nicht mehr zu eigen. Ich helfe, wo ich kann, was die verwaltungstechnischen Dinge angeht, ich höre den Gefangenen, mit denen ich arbeitsbedingt öfter zu tun habe auch mal zu, gebe einen Tipp, aber ich bleibe mit meinen Emotionen da draußen. Das gelingt mir mittlerweile sehr gut. Wie Peti sagt: Man kann Mensch sein, ohne zu nah mitten drin zu stecken.
Natürlich hat man manchmal Dinge, die einem nahegehen - wir wären keine Menschen, wenn es nicht so wäre - aber das sollten Ausnahmen bleiben.
Ich würde Dir dringend davon abraten, da zu hoppen, ihm zu verzeihen, ect, ihn zu lieben, ect. Es ist nicht Deine Aufgabe, das verzeihen wäre noch Aufgabe seines Opfers, aber nicht Deine.
Lass es nicht an Dich ran, sonst gehst Du in dieser Materie definitiv vor die Hunde.
lg
Gipsy