Das klingt gut, ist aber so 'ne Sache. Denn Liebe ist was verdammt Willkürliches. Und wenn man sich sagt "Ich will ihn/sie, will mit ihm/ihr zusammen sein", dann mag es einem bestenfalls zwar gelingen, abgeschossener-Pfeil-mäßig zu denken, aber man sollte trotzdem immer am Boden bleiben und sich sagen: Die Möglichkeit besteht, dass es nicht klappt. Andernfalls ist man hinterher umso enttäuschter und das kann einem mitunter den Boden unter den Beinen wegziehen, man kann an sich selber zweifeln, mit dem Schicksal hadern usw...
Mir ging es letzten Sommer so. Da gab es einen Mann, den ich seit 2 Jahren immer mal wieder auf einem Straßenfest traf. Jedesmal unterhielten wir uns ein bisschen, ich fand ihn sehr interessant und wollte ihn unbedingt näher kennen lernen, um in Erfahrung zu bringen, ob wir vielleicht zusammen passen würden. Also habe ich mich ganz auf dieses Ziel konzentriert: Ich möchte es schaffen, ihn näher kennen zu lernen. Ich möchte den Mut aufbringen, auf ihn zuzugehen und ihn zu fragen, ob er mit mir nach dem Fest einen trinken geht. Möchte dann sehen, ob er wirklich jemand für mich wäre.
Ja, das alles habe ich geschafft. Habe meinen ganzen Mut zusammengenommen und ihn gefragt. Er hat auch eingewilligt. Es ließ sich recht gut an... aber dann ließ er durchblicken, dass er schwul ist. Ich war aber nicht enttäuscht, weil ich, obwohl er absolut nicht schwul wirkt, immer im Hinterkopf hatte, dass er es eventuell sein könnte, weil er, wie ich fand, ein eher untypisches Männerleben aufwies (Künstler, offensichtlich weder Frau noch Kind...). Für mich war dies die zweitbeste Antwort, die er mir hätte geben können

Ich fühlte mich als Siegerin, denn mein Ziel hatte ich ja erreicht: Meinen Mut zusammennehmen, um ihn näher kennen zu lernen. Aber natürlich ist es auch ein bisschen schade, schließlich war ich ja auch etwas in ihn verguckt und hätte mir gerne mehr gewünscht...
Was ich dabei aber gelernt habe, das ist, ein Ziel, besonders in so genannten Liebesdingen, zunächst ein bisschen niedriger zu stecken, weil einem das etwaige Enttäuschungen erspart. Daher würde ich dir raten TomTom, konzentrier dich erstmal nicht so auf den Gedanken "ich will mit ihr zusammen sein, ich will sie haben", sondern auf den Gedanken "ich will sie näher kennen lernen und dazu will ich viele Gespräche mit ihr führen. Ich will Gelegenheit dazu bekommen, sie von meinen Qualitäten zu überzeugen und jede Menge Charme zu versprühen". Dies ist meiner Meinung nach ein sehr realistisches Ziel, denn mit einem verfrühten Beziehungswunsch kann man(n) eine Frau ziemlich überfallen - es sei denn, sie verknallt sich genauso Hals über Kopf in ihr Gegenüber, was ja bei euch nicht der Fall zu sein scheint. Und dann kann es gut sein, dass du nichts weiter als den von Männern so gefürchteten Killersatz zu hören bekommst: "Du bist echt nett, aber..."