Wie es mit dem Spiegeln funktioniert, möchtest Du wissen. Und hängst fest an der Frage:
Zitat:
Und deine Reaktionen beruhen auf dem was in mir ist/von mir kommt/ausgeht oder wie auch immer, und umgekehrt genau so???
Und ich verstehe, dass Du das Problem mit dem "umgekehrt genauso" hast. Dass Du also einerseits Du bist & Deine Reaktionen hast, andererseits aber auch der Spiegel des Andren bist & die Reaktionen zeigt, die dazu passen.
Nun, das ist einfach:
Ich bin ich und Du bist Du.
Ich sehe aber nicht Dich und Du nicht mich.
Wir sehen zunächst einmal nur das was sich an der "Außenseite" zeigt (Persona nennen das die Psychologen. Oder auch: Persönlichkeit, könnte man sagen.)
Und das ist ja nur ein Teil: Du bist mehr als der, als den Dich Deine guten Freunde beschreiben.
Weil sie ja nicht in Dich reingucken/fühlen können. Und Du manchmal eben auch anders bist als gewöhnlich.
Erschwerend hinzu kommt, dass wir meistens auch gar nicht so genau hinsehen.
Wenn wir Dich sehen, sehen wir i.d.R. nur das was uns interessiert, und das ist oft wenig (guck Dir mal an, wie Verkäuferinnen behandelt werden. Oder wie ältere Leute "übersehen" werden).
Und das wenige wird dann auch noch durch das gefiltert, wie wir im Moment drauf sind, und was wir sehen wollen.
Wenn Du zB den Weg wissen willst, werden zB plötzlich Frauen mit Kinderwagen interessant, die Du sonst eher übersiehst, weil Du grad keine suchst, Du hast ja schon Familie. Aber die, die da was vor sich herschieben, kommen damit nicht weit, sind also vermutlich von hier.
Und damit hast Du schon ein Beispiel für den Filter. Und der ist in Deinem Kopf. Jemand anders würde zB nur Motorradfahrer sehen. Weil er ne Panne hat und den Weg zur nächsten Werkstatt sucht.
Du siehst also, das mit als Spiegel dienen hat eine ganz einfache Funktionsgrundlage.
So wie in dem Goethe-Zitat:
Zitat:
"Du gleichst dem Geist, den Du begreifst, nicht mir."
Ich sehe in Dir also meistens nur das, was ich sehen kann: weil es so ähnlich ist wie etwas, das ich von mir selbst kenne, das ich in Dir suche/meide etc.
(Interessant ist: wann ist das nicht so? Aber das ist ein anderes Thema..)
Damit ist klar: Du kannst mein Spiegel sein und zugleich Du selbst. Und umgekehrt
Und wie geht es praktisch mit dem Spiegeln?
Also zB das mit Deinem Seminar könnte so funktionieren:
Zitat:
wenn ich auf einem Seminar bin und dort sehr viele negativ geladene Leute vorfinde, die mit sich und der Welt unzufrieden sind und auch mir gegenüber recht unfreundlich sind
Zunächst mal findest Du Leute vor. Wie sie geladen sind, erschließt Du indirekt, über eine Reihe von Interaktionen. Das fängt schon damit an, wenn Du reinkommst, wie Sie gucken, wie ihre Stimmen klingen.
Dazu kommen dann Deine spezifischen Intepretationen aufgrund Deiner Vorerfahrungen in Tateinheit mit Deiner inneren Haltung.
Wenn zB Leute meckern, könntest DU denken: "die sind mit sich und der Welt unzufrieden sind", und wenn Dir das nicht gefällt (weil Dich zB das Meckern nervt), stehen die Chancen gut, dass sie bald "auch mir gegenüber recht unfreundlich sind". Watzlawick hat das in seinen Büchern gut beschrieben, wie wir andere in unsere Filme reinziehen.
So fällt es zB den meisten schwer, ruhig zu bleiben. Wenn jemand rumbrüllt. Oder sie anmeckert.
Eine der besten Sachen, die ich von meinem wichtigsten Lehrer gelernt habe,war der Satz: "Ich höre nicht auf Leute, die in so einem Ton mit mir reden."
Dieser Satz bezog sich übrigens auf innere Stimmen. Und dorthin, in Dein Inneres, wirst Du vom Spiegel zwangsläufig geführt - denn dort wird ja Dein Abbild sichtbar, das er Dir zeigt. Und dort kannst Du anfangen, Dich mit Dir auseinanderzusetzen. Und dann kann sich auch außen was ändern. weil Du diesen Spiegel so nicht mehr brauchst.
Aber zurück zu Spiegel und Gegenspiegel:
Wenn Du also zB in der Situation ärgerlich wirst, über die Leute, weil Dir das nicht gefällt, das die meckern, so doch wohl in erster Linie, weil Du nicht das Genervtsein darüber haben magst (so wäre es bei mir). Und dann bist Du eben auch jemand "auf einem Seminar, negativ geladen und mit sich und der Welt unzufrieden". Und insofern Du das auf die andern zurückführen, ist es naheliegend, das Du Dich entsprechend verhältst. Und die finden auf dem Seminar eben auch einige Leute von denen sie sagen können: "mit sich und der Welt unzufrieden sind und auch mir gegenüber recht unfreundlich".
Und dann bist Du eben auch der Spiegel von denen.
Lustig ist dann immer noch die Frage, wer schuld ist. die ist uns ja sehr wichtig.
Meine Hits:
1. der der angefangen hat.
2. der der als letzter noch gemeckert hat.
weitere Vorschläge?
Leonard