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BeitragVerfasst: Di Dez 13, 2005 9:21 am 
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Registriert: Mo Feb 28, 2005 12:35 pm
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Ich weiß, was du meinst...ist irgendwie schon dubios, das Ganze... ich meine, wenn nicht ich das mache, wer dann? Gott? das Universum?

Wie kommt es denn, das ich willentlich Dinge in meinem Leben ändern kann, in meinem Fall, einfach urplötzlich streng zu einer Klasse zu sein? Wer beschließt denn das?


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BeitragVerfasst: Di Dez 13, 2005 9:29 am 
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Beiträge: 60
Zitat:
Was ist denn dann mit cogito ergo sum?
Irgendwas muss doch da sein? Sonnst wär ich doch nicht, auch wenn ich mich einbilde

Gute Frage.
"cogito ergo sum" bedeutet wörtlich "Ich denke, also bin ich."
Schon Descartes' Nachfolger haben erkannt, dass das etwas zuviel behauptet ist. Streng genommen weisst Du nur: "Etwas in mir denkt, also ist jemand."
Dieser Jemand könnte 'ich' sein.
Dass "ich" nicht mit meinem Bild von mir übereinstimmt, ist ja spätestens seit Freud allgemein bekannt. Schon im 19. Jahrhundert konnte man die Existenz von Komplexen (aus dem Bewusstsein verdrängte psychische Inhalte) durch einfache Assoziationsexperimente mit der Stoppuhr nachweisen, zB:
"Vater." "Mutter"
"Haus" "Hof"
"Heim" (3sec Pause) "keins"

Das was da denkt ist also irgendwie größer als das, was 'ich' mir unter "ich" vorstelle.
Neuere Forschungen belegen aber, dass das, was 'wir' 'uns' unter einem "ich" vorstellen, auf grundlegend falschen Vorstellungen beruht.
Es fängt damit an, dass 'ich' sich nicht so einfach im Gehirn lokalisieren lässt. Und wenn 'ich' eine Entscheidung trifft, würden wohl die meisten meinen, dass 'ich' das im Großhirn tut. Tatsächlich lässt sich in einfachen Experimenten zeigen, dass die muskuläre Aktivierung durch tiefere, basalere Hirnregionen erfolgt, die *danach* erst im Großhirn zu neuronalen Aktivierungsmustern führt.
Auf deutsch gesagt: Es entscheidet sich in 'mir', und 'ich' bilde mir ein, dass 'ich' das mache.
Eine andere Sache, die nachdenklich machen sollte, ist, das 'ich' (als im Großhirn verankerte Struktur) alle Wahrnehmungen um ca 300ms verzögert mitbekommt. Auf der Ebene der Hirnphysiologie ist das eine ewig lange Zeit, in der die meisten Sachen, so wie eben Entscheidungen, schon längst ohne 'uns' abgelaufen sind.
Wir merken diese Verzögerung nur manchmal, zB wenn wir uns verletzen, merken wir, dass es 'eigentlich' schon vorher geblutet hat, kurz (300ms) bevor 'wir' es 'bemerken'.
Mit andern Worten: 'ich' ist nicht im Hier und Jetzt.
'ich' ist auch kein jemand, wie 'wir' uns vorstellen, wenn wir "ich" sagen.
'ich' ist viel eher eine Vorstellung, die 'es' über sich entwickelt.
So ähnlich wie sich früher die Menschen vorgestellt haben, dass es Götter gibt, die für Blitz und Donner sorgen.
Da ist auch kein 'jemand' dahinter. Und das fällt uns heute nicht schwer das zu akzeptieren.
Mit dem nicht-'ich' wird es aber sicher noch eine Weile dauern.

Ciao
Leo

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In Wahrheit ist es Liebe.


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BeitragVerfasst: Di Dez 13, 2005 10:50 am 
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Registriert: Mo Feb 28, 2005 12:35 pm
Beiträge: 988
Okay, könnte man sagen, dass wir das "Bewußtsein" als das Ich empfinden, dass das Ich aber eine Kombination aus Bewußtsein und Unbewußtsein ist. Oder eher: unser Ich ist unser Hirn?


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BeitragVerfasst: Di Dez 13, 2005 9:11 pm 
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Registriert: So Okt 16, 2005 5:35 am
Beiträge: 60
Zitat:
Okay, könnte man sagen, dass wir das "Bewußtsein" als das Ich empfinden, dass das Ich aber eine Kombination aus Bewußtsein und Unbewußtsein ist. Oder eher: unser Ich ist unser Hirn?


Könnte man sagen, dass wir den Donner als naturgegeben empfinden, dass der Donner aber eine Kombination aus Gott und Natur ist?

gruss Leo

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In Wahrheit ist es Liebe.


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BeitragVerfasst: Mi Dez 14, 2005 10:35 am 
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Registriert: Di Nov 15, 2005 6:40 pm
Beiträge: 55
Wohnort: NRW
So, erstmal mein Posting, was ich letztens nicht abschicken konnte (habt ihr auch manchmal das Problem, dass die Seite einfach nicht mehr zu erreichen ist?)
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Hallo zusammen.
Ich finde dieses Spiegel-Thema auch durchaus kompliziert.

Zwei Dinge fallen mir aber doch dazu ein.

Zum einen meine ich mich erinnern zu können, dass Bärbel Mohr schrieb, dass es grade bei berühmten Menschen durchaus einen verzerrten Spiegel gibt, weil denen halt so viele Leute Aufmerksamkeit oder Abneigung entgegen bringen...

Mein Beispiel dazu: Die Kelly-Family (ist schon ein wenig her, das Beispiel): die sehen nur Menschen, die sie total bewundern und auf Konzerten kreischen... Die vielen Leute, die sie überhaupt nicht leiden können sehen sie nicht.

Deren Spiegel ist so verzehrt, dass sie daraus keine Information ableiten können. Auch die haben mal nen schlechten Tag, bestimmt, auch wenn da nur jubelnde Leute stehen.

Natürlich kann man sich noch aussuchen, was man von den Situationen hält. Und das bringt mich zum zweiten Teil.
Ich denke, da muss man doch ein wenig die körperliche Seite und geistige Seite auseinander halten.
Wir sind schließlich immer noch biologische Wesen, die sich auch der Evolution entwickelt haben. Und haben ein biologisches Programm. Dazu gehört auch, ich weiß jetzt nicht mehr wer es geschrieben hat, diese Alpha-Tier-Geschichte. Das ist nur zu natürlich, dass man, wenn man über sich selbst nachdenkt gewisse Züge immernoch findet bei sich und bei anderen.
Das geistige Element ist dann die Bewertung des Ganzen. Auf die hat man wesentlich mehr Einfluss.

Ich kenne eine Person, die ist der typische Mitläufer-Typ. Redet jedem nach dem Mund. Das habe ich durch Beobachtung festgestellt. Ich kann das nicht ändern. Ich finde auch nicht, dass es etwas über mich aussagt, dass ich diese Person kenne und mit ihr in gewisser Hinsicht befreundet bin. Das einzige, was ich dazu kann, ist wie ich sie und ihr Verhalten bewerte. Stört es mich, kann ich das akzeptieren, rege ich mich darüber auf, lache ich darüber... Und das finde ich hängt auch vielleicht durchaus mit meiner Tagesform zusammen. Das kann dann auch ein Spiegel sein. Heute ärgert es mich irgendwie, dass sie das macht... Aber warum heute?

Kann auch sein, das mich gewisse Verhaltensweisen generell ärgern und ich mir schon angewöhnt hab immer darauf zu achten, weil ich meine Aufmerksamkeit so sehr darauf richte, was mich stört.
Oder ich richte meine Aufmerksamkeiten nur auf schöne Dinge, wie manche Menschen bei der Partnerwahl, zb alles was blond ist, fällt schon mal auf...
Blond ist jetzt nicht umbedingt ein Spiegel, aber andere nicht körperliche Eigenschaften gibt es, auf die man quasi programmiert ist. Fallem einen Leute auf, die witzig sind, weil man es selbst nicht kann, weil man es kann und konkurenz fürchtet, weil man mit ihnen zusammen witzig sein will? Ist doch alles möglich.

Ich denke jeder hat so sein "Programm" was er sich irgendwann mal angewöhnt hat und wonach er die Welt einordnet so auch die Menschen, was man bewusst bestimmt auch verändern kann, und jeder hat seine Stimmung.
Ich hatte letztens einen Tag, da fragt mich meine Mutter ganz lieb was, wo ich normalerweise auch fröhlich bei der Sache gewesen wär.... und ich hab sie voll angeblubbert, hatte Mühe mich zurückzuhalten. Mir war eine sehr große Laus über die Leber gelaufen an dem Tag, bin auch extra nicht aus gewesen, um meinen Freunden nicht die Stimmung zu verderben:

Ich: fühlte mich gestört durch ihr Verhalten -- Spiegel meiner Unzufriedenheit
Mutter(in Party-Laune): was blubbert die? - ach, egal -- sie ordnet meine Unzufriedenheit gar nicht so schlimm ein
(in anderen Situationen wär sie aus der Haut gefahren, dass ich so mit ihr spreche)

komplett verdreht zur Alltags/Normalsituation... Das war für mich das perfekte Spiegelbeispiel.

Jetzt hab ich mich ausgequasselt....

:wink:
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Dann hatte ich letztens auch noch ne passende Geschichte mit einem wütenden Kunden, der einfach nicht verstanden hat, dass wir uns in der Verwaltung auch an Gesetzte halten müssen und voll die Welle gestartet hat.
Ich denke auch nicht, dass er uns allen vieren ein Spiegel war mit seiner Art. Ehr wie wir damit umgegangen sind war ein Spiegel meiner Ansicht nach. Eine Kollegin hat sich zb tierisch über sein Verhalten aufgerecht, wir anderen fanden den Vorfall ehr ein wenig amüsant, weil der Herr vor uns mehr die Karrikatur eines Rentners war, der meint alles müsse nach seinem Willen laufen...
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Zu dem "Ich denke also bin ich" - Problem:
Leonard beschrieb, wie die Wissenschaft die Reaktionen im Gehirn klassifiziert und wie manche Dinge da zeitllich ablaufen.
Ich habe aber auch schon mal die unwissenschaftlichere Theorie dazu mitbekommen, dass der Geist, die Seele oder wie auch immer man es nennen mag, wenn sie doch auch, wie manche die Erfolg mit Bestellungen haben beschreiben oder die übersinnliches können, die Umwelt beeinflussen, das Element sind, die unsere chemischen Abläufe im Gehirn kontrollieren.
Das ist dann die klassische Frage, was kommt zuerst: der "Gedanke" oder der chemische Ablauf. Das beide zusammenhängen ist keine Frage, nur es ist nicht bewiesen, dass wir etwas denken oder fühlen, weil zuerst körperliche Aspekte eintreffen. Vielleicht ist es genau umgekehrt?

Da rutschen wir dann weit in die Philosophie ab: Verstehen wir uns ehr als biologische Wesen, oder als geistige Wesen oder als eine Kombination? Wenn ja, wie funktioniert eine solche Kombination, was hat auf wen mehr Einfluss?
Vielleicht ist es auch bei manchen Menschen unterschiedlich. Es scheint doch so, dass man seinen Körper um so besser unter Kontrolle hat, je mehr man seine geistigen Fähigkeiten entwickelt. Manche können durch ihre innere Haltung krankheiten heilen. Viele sagen inzwischen, dass sich positives Denken auf die Erfolgschancen in der Krebsbehandlung auswirken...
(Nur das hat jetzt auch alles nichts mehr mit Spiegeln zu tun, vl sollte man da ein neues Thema für eröffnen, wenn noch Gesprächsinteresse besteht, ich mach das mal)

Grüße, Liceti

_________________
Wunder werden wahr!


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