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 Betreff des Beitrags: Sich selbst zu kennen?
BeitragVerfasst: Do Dez 22, 2005 8:56 am 
Hallo Ihr,
ich möchte hier sehr gerne mal mit Euch über Euere Erfahrungen und Ansichten reden, weil ich hoffe, dass ihr mir helfen könnt.
Ich begann vor einiger Zeit mein Leben positiv zu gestalten. Ich las Bücher, ich habe viele Sachen, die mir sehr viel Spaß machen. Beruflich ist es auch nicht verkehrt. Ich war fast an dem Punkt zu sagen: Wow in meinem Leben gibt es keine schrecklichen Dinge und keine Angst mehr....Der Punkt der mich sehr nachdenklich hat werden lassen, war die Trennung zu meinem Freund. Hier sind ziemlich tief verwühlte, verborgene Seiten in mir aufgekommen, die mich sehr beschäftigen. Ich bin sehr viel für andere da und lehne quasi niemals Hilfe ab, die jemand von mir verlangt/anfragt. Ich schreie niemanden an, werde quasi nie wirklich wütend. Das einzige was ich werde, und das kontinuierlich ist „traurig“.
Ich habe mir Vorwürfe gegen mich angehört eines engen Angehörigen, der mir sagte, ich solle endlich von der Leidensnummer herunter und nicht immer das Opfer spielen. Mein eigenes Leben meistern, nicht das der anderen. Auch mal für mich zu sein und dabei zu bleiben. Nein zu sagen. Zu sagen, dass ich mich nicht verarschen lasse. Abzusagen, wenn ich nicht der Pausenclown für alle sein soll, auch mal wütend sein soll... Das hat unheimlich weh getan. Aber irgendwo stimmt es. Ich fühle mich zwar überhaupt nicht als würde ich im Selbstmitleid zergehen, aber irgendwas stimmt da wirklich was nicht. Eventuell müsste ich manchmal Kontakt ablehnen weil ich Ruhe bräuchte, gehe aber trotzdem weg, weil ich denke dort ist jemand für mich da.... Ich habe nie den Anspruch an jemanden gestellt für mich da zu sein und es ist auch eben nicht so, dass jetzt jemand da ist, wenn ich ihn bräuchte, nur wenn es mir gut geht eben...
Aber ich merke eben, dass ich alles was ich tue im Außen suche: Freunde, die mich bestätigen, Familie die mich umarmt....
Dabei bin ich jetzt aber an einem Punkt an dem ich sagen kann: Ich glaube ich war trotz aller scheinbarer Reichtümer/(Freunde, familie, ausbildung..) niemals wirklich zufrieden in meinem Leben. Das merkt man auch an der Beziehung, die ich führte. Wie demütigend diese war für mich. Aber ich habe mich quasi selbst nicht wirklich gespürt und gemerkt, wie sollte er es denn??? Ich hoffe das wirkt nicht allzu sehr verwirrt und man bekommt mit über was ich nachdenke.
Meine Frage ist einfach: Ich erkenne viel in meinem Leben: Schmerz, Fehler, Veränderungen... Aber wie finde ich einen Weg mit mir in Einklang zu kommen, mich damit gut zu fühlen, dass ich alleine einen schönen Abend habe, das Richtige für mich zu finden. Für manche mag das komisch klingen, aber ich weiß es nicht. Ich habe viele Hobbies...Es ist nur einfach so, dass ich mein Gefühl mir gegenüber absolut NICHT fühlen kann. Ich fühle scheinbar für jeden x-beliebigen vor mir mehr, als für mich selbst. Ich habe mich schon mit vielen Themen auseinandergesetzt was in die Richtung Opfer/Täter-Rollen im Leben angehen. Ich denke vielleicht müsste ich ein bisschen mehr Täter werden. Aber ich schaffe immer einen gewissen Ansatz, also mich für einen Tag, eine Woche gut zu fühlen, bis ich merke, dass das IMMER mit dem Außen zu tun hat, sobald dort etwas schief läuft bin ich wieder bei meinem Schmerz. Ich möchte es aber sehr gerne ändern. Doch ich habe viele Wege probiert. Es fühlt sich an als würde ich jetzt durch einige Denkweisen mein Leben ein bisschen ändern, vielleicht lächle ich jetzt, aber das Grundproblem wird dabei nur ummantelt. Ich weiß, dass ich meditieren könnte, dass ich mehr Bücher lesen könnte, aber das alles wirkt für mich langsam wie meine eigene Ablenkungstaktik. Denn dann stelle ich mir immer vor wie es sein könnte, ganz mit einem selbst vereint zu sein, aber WIRKLICH einen Schritt in die Richtung, ja keine Ahnung. Ich möchte auch nicht meine ganzen Schritte zunichte machen: Also, dass ich Dinge habe, die mir Spaß machen, Arbeit, positive Gedanken formen zu können...Aber dennoch bleibt das Gefühl, in dem Moment in dem ich zu lange alleine bin, dass ich völlig gefühllos für mich alleine bin. Die Tatsache nicht weg zu gehen am Abend, „mich nicht sehen zu lassen“ lässt die anderen vergessen, dass ich da bin und ich verliere die guten Momente auch noch. Denn dann weiß ich nicht. Aber eigentlich will ich ja keine Moment, sondern ein Gefühl....
Ja, ich möchte einfach von jemandem wissen, der mit sich selbst gut auskommt wie sich das anfühlt.
Danke schon mal für Euere Antworten!


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BeitragVerfasst: Do Dez 22, 2005 4:46 pm 
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Registriert: Sa Jun 04, 2005 8:40 am
Beiträge: 556
Wohnort: Oberschwaben
Hallo Navina :D

Hatte die Trennung von deinem Freund damit zu tun? Mit diesem Thema?

Ich kann dir nur vorschlagen, mehr Zeit mit dir selbst zu verbringen, zu meditieren.. oder Phantasiereisen z. B. in dein Herz zu machen, wie sieht es da aus? Geh alleine z. B. in ein Museum, ohne jemanden mit zu nehmen...


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BeitragVerfasst: Do Dez 22, 2005 5:14 pm 
Hallo Socata,

naja die Trennung mit meinem Freund hatte eher damit zu tun, dass er immer geflüchtet ist und mich sehr sehr viel allein gelassen hat. Mich auch teilweise mit meinen Gefühlen ignoriert und nicht ernst genommen hat. Letztendlich ist mir dabei aufgefallen, dass ich 1.Diese Beziehung mehr denke zu "brauchen" als dass sie schön ist und 2. Habe ich sehr stark gemerkt, dass ich mich ohne seine weitere Zuneigung sehr allein und schwach fühle. So als wäre ich nur vollständig wenn ich helfen kann oder Zuneigung von anderen erfahre.
Danke für den Tipp auch mit dem Museum. Ich bin wirklich dankbar für Tipps. Du musst es Dir so vorstellen, wenn ich etwas alleine mache tut es mir gut, aber nach einer Zeit bekomme ich einfach das Gefühl, dass ich mir alleine nicht ausreiche und plötzlich sind alle in meinem Umfeld schlecht: Die Freundin, die mir von ihrem schönen Abend erzählt, obwohl ich lieber zu hause bleiben wollte etc. Verstehst Du Ich will nicht sagen, dass ich viele negative Gefühle auf andere hege, weil ich bin nicht der Freundin böse, sondern ich ärgere mich dann über mich, dass ich alleine bleiben wollte. Dabei war das meist auch ein schöner abend, aber es rebelliert dann in mir. So als könnte ich mich nicht einfach auf meine Ziele konzentrieren...Das macht mich sehr nachdenklich warum ich so wenig zu mir selbst und meinen Entscheidungen stehen kann...


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BeitragVerfasst: Do Dez 22, 2005 8:19 pm 
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Registriert: Sa Jun 04, 2005 8:40 am
Beiträge: 556
Wohnort: Oberschwaben
Das kenne ich sehr sehr gut, ich befinde mich auch gerade in so einer Phase und hoffe, dass sie vorbei geht..

Aber siehs doch so, du hast dich getrennt und du stehst zu dieser Entscheidung! Oder nicht?


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BeitragVerfasst: Fr Dez 23, 2005 7:39 am 
Hallo Socata,

ja das stimmt. Dazu stehen tue ich! Das ist zwar in manchen Momenten hart, aber letztendlich fühle ich mich besser.
HAst du auch eine Trennung hinter Dir? Wie lange ist das denn her?
Ich hoffe auch schon, dass diese Phase vorbei geht und dabei der Übergang in eine "tiefere" oder gefestigtere Phase passiert. In der ich auch an mir nicht mehr so viel zweifle....
Fühl Dich von mir umarmt, wenn Du auch mit ähnlichen Gedanken zu tun hast... :D


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BeitragVerfasst: Fr Dez 23, 2005 1:16 pm 
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Registriert: Sa Jun 04, 2005 8:40 am
Beiträge: 556
Wohnort: Oberschwaben
Navina hat geschrieben:
Hallo Socata,

ja das stimmt. Dazu stehen tue ich! Das ist zwar in manchen Momenten hart, aber letztendlich fühle ich mich besser.
HAst du auch eine Trennung hinter Dir? Wie lange ist das denn her?
Ich hoffe auch schon, dass diese Phase vorbei geht und dabei der Übergang in eine "tiefere" oder gefestigtere Phase passiert. In der ich auch an mir nicht mehr so viel zweifle....
Fühl Dich von mir umarmt, wenn Du auch mit ähnlichen Gedanken zu tun hast... :D


Wenn ich ehrlich bin hats bisher noch nicht einmal irgendwo zu einer richtigen Beziehung gereicht :roll:

Aber ich verstehe dich trotzdem sehr, sehr gut! Weil bei mir auch schon Kleinigkeiten reichen, um mich aus der Bahn zu werfen und ab auf die Gedankenspirale ("Bin ich ok, so wie ich bin? Was könnte ich anders machen...??")! Daher, fühl dich auch umarmt :D

Sag mal, kommst du aus Köln? (Die ganze Zeit habe ich das Gefühl, dass es so ist, ganz seltsam)


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BeitragVerfasst: Fr Dez 23, 2005 1:45 pm 
Hallo Soacta,

habe dir eine pn geschrieben!

Viele Grüße
Navina


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BeitragVerfasst: Fr Dez 23, 2005 4:27 pm 
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Registriert: So Okt 16, 2005 5:35 am
Beiträge: 60
Hallo Navina,
ich finde Deine Problembeschreibung sehr differenziert und erhellend. Sie zeigt mir, dass simple Tipps und einfache Deutung Dein Problem nur oberflächlich erfassen und beeinflussen können - auch wenn dabei sicher ganz praktische, handfeste Veränderungen als hilfreich erlebt werden, um nicht im eigenen Saft zu schmoren.
Die Lösung ist also in der Tiefe zu suchen - aber wo? Ich vermute, dass die von Dir beschriebene Störung in Deinem Selbst-Erleben darauf basiert, dass Facetten Deines Erlebens in der frühen Kindheit nur unzureichend oder verzerrt gespiegelt wurden.
Einen Begriff davon und Abhilfe dafür findet man in der Objektbeziehungstherapie, allerdings in sehr unterschiedlichem Grad von Menschlichkeit, wie schon der eher abschreckende Name suggeriert. Was hier möglich an einfühlsamer Wahrnehmung, Bewusstmachung und Durcharbeitung, wird meisterhaft geschildert in "Der Schatten des Objekts. Das ungedachte Bekannte: Zur Psychoanalyse der frühen Entwicklung" von Christopher Bollas. Man kann jedem nur wünschen an so ein versiertes gegenüber zu geraten!
Auf Wunsch gebe ich Dir gern auch noch detailliertere Infos/Feedback.
HtH
Leo

_________________
In Wahrheit ist es Liebe.


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