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Ich eröffne jetzt mal ein neues Thema um die Frage, die im anderen Forum aufkam extra zu diskutieren, vielleicht hat ja noch jemand Ideen dazu:
Zusammenfassung:
Leonard:
Die Illusion ist: dass es ein Ich gibt, das so und so ist, und die und die Gefühle hat.
Steht schon beim alten Buddha, das das nicht wahr ist. Und kann von jederman jederzeit selbst nachgeprüft werden: In der Meditation erfahren wir: nicht ich bin so, sondern da ist etwas, das Dinge wahrnimmt. Und die ändern sich, von Augenblick zu Augenblick.
Persönliche Eigenschaften und Einstellungen sind eine sorgfältig kultivierte Illusion. Die ist zwar mit unserem Erleben vereinbar - aber das gilt auch für die Idee, dass die Sonne sich um die Erde dreht.
Das unser Ich nur eine Einbildung ist, wird übrigens auch von der Hirnforschung bestätigt: Der sog. freie Wille, den wir dafür ja oft als Beleg heranziehen wollen, ist eine Illusion: Schon eine beträchtliche Zeit bevor "ich" mich entscheide, den Schalter zu drücken, ist in niederen Hirnteilen das erhöhte Erregungspotential zur Aktivierung der Muskeln nachweisbar. Was "ich" für die eigene freie Entscheidung halte, ist nicht die Ursache davon, sondern die Folge. Eine bloße Einbildung also, dass "ich" die Entscheidung treffe.
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Liceti:
Was ist denn dann mit cogito ergo sum?
Irgendwas muss doch da sein? Sonnst wär ich doch nicht, auch wenn ich mich einbilde... Irgendjemand muss mich doch einbilden, das bin doch ich. !!??? Confused Shocked Rolling Eyes Falls mir noch irgendjemand folgen kann.
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Allall:
Ich weiß, was du meinst...ist irgendwie schon dubios, das Ganze... ich meine, wenn nicht ich das mache, wer dann? Gott? das Universum?
Wie kommt es denn, das ich willentlich Dinge in meinem Leben ändern kann, in meinem Fall, einfach urplötzlich streng zu einer Klasse zu sein? Wer beschließt denn das?
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Leonard:
Gute Frage.
"cogito ergo sum" bedeutet wörtlich "Ich denke, also bin ich."
Schon Descartes' Nachfolger haben erkannt, dass das etwas zuviel behauptet ist. Streng genommen weisst Du nur: "Etwas in mir denkt, also ist jemand."
Dieser Jemand könnte 'ich' sein.
Dass "ich" nicht mit meinem Bild von mir übereinstimmt, ist ja spätestens seit Freud allgemein bekannt. Schon im 19. Jahrhundert konnte man die Existenz von Komplexen (aus dem Bewusstsein verdrängte psychische Inhalte) durch einfache Assoziationsexperimente mit der Stoppuhr nachweisen, zB:
"Vater." "Mutter"
"Haus" "Hof"
"Heim" (3sec Pause) "keins"
Das was da denkt ist also irgendwie größer als das, was 'ich' mir unter "ich" vorstelle.
Neuere Forschungen belegen aber, dass das, was 'wir' 'uns' unter einem "ich" vorstellen, auf grundlegend falschen Vorstellungen beruht.
Es fängt damit an, dass 'ich' sich nicht so einfach im Gehirn lokalisieren lässt. Und wenn 'ich' eine Entscheidung trifft, würden wohl die meisten meinen, dass 'ich' das im Großhirn tut. Tatsächlich lässt sich in einfachen Experimenten zeigen, dass die muskuläre Aktivierung durch tiefere, basalere Hirnregionen erfolgt, die *danach* erst im Großhirn zu neuronalen Aktivierungsmustern führt.
Auf deutsch gesagt: Es entscheidet sich in 'mir', und 'ich' bilde mir ein, dass 'ich' das mache.
Eine andere Sache, die nachdenklich machen sollte, ist, das 'ich' (als im Großhirn verankerte Struktur) alle Wahrnehmungen um ca 300ms verzögert mitbekommt. Auf der Ebene der Hirnphysiologie ist das eine ewig lange Zeit, in der die meisten Sachen, so wie eben Entscheidungen, schon längst ohne 'uns' abgelaufen sind.
Wir merken diese Verzögerung nur manchmal, zB wenn wir uns verletzen, merken wir, dass es 'eigentlich' schon vorher geblutet hat, kurz (300ms) bevor 'wir' es 'bemerken'.
Mit andern Worten: 'ich' ist nicht im Hier und Jetzt.
'ich' ist auch kein jemand, wie 'wir' uns vorstellen, wenn wir "ich" sagen.
'ich' ist viel eher eine Vorstellung, die 'es' über sich entwickelt.
So ähnlich wie sich früher die Menschen vorgestellt haben, dass es Götter gibt, die für Blitz und Donner sorgen.
Da ist auch kein 'jemand' dahinter. Und das fällt uns heute nicht schwer das zu akzeptieren.
Mit dem nicht-'ich' wird es aber sicher noch eine Weile dauern.
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Allall:
Okay, könnte man sagen, dass wir das "Bewußtsein" als das Ich empfinden, dass das Ich aber eine Kombination aus Bewußtsein und Unbewußtsein ist. Oder eher: unser Ich ist unser Hirn?
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Leonard:
Könnte man sagen, dass wir den Donner als naturgegeben empfinden, dass der Donner aber eine Kombination aus Gott und Natur ist?
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Liceti:
Leonard beschrieb, wie die Wissenschaft die Reaktionen im Gehirn klassifiziert und wie manche Dinge da zeitllich ablaufen.
Ich habe aber auch schon mal die unwissenschaftlichere Theorie dazu mitbekommen, dass der Geist, die Seele oder wie auch immer man es nennen mag, wenn sie doch auch, wie manche die Erfolg mit Bestellungen haben beschreiben oder die übersinnliches können, die Umwelt beeinflussen, das Element sind, die unsere chemischen Abläufe im Gehirn kontrollieren.
Das ist dann die klassische Frage, was kommt zuerst: der "Gedanke" oder der chemische Ablauf. Das beide zusammenhängen ist keine Frage, nur es ist nicht bewiesen, dass wir etwas denken oder fühlen, weil zuerst körperliche Aspekte eintreffen. Vielleicht ist es genau umgekehrt?
Da rutschen wir dann weit in die Philosophie ab: Verstehen wir uns ehr als biologische Wesen, oder als geistige Wesen oder als eine Kombination? Wenn ja, wie funktioniert eine solche Kombination, was hat auf wen mehr Einfluss?
Vielleicht ist es auch bei manchen Menschen unterschiedlich. Es scheint doch so, dass man seinen Körper um so besser unter Kontrolle hat, je mehr man seine geistigen Fähigkeiten entwickelt. Manche können durch ihre innere Haltung krankheiten heilen. Viele sagen inzwischen, dass sich positives Denken auf die Erfolgschancen in der Krebsbehandlung auswirken...
(Nur das hat jetzt auch alles nichts mehr mit Spiegeln zu tun, vl sollte man da ein neues Thema für eröffnen, wenn noch Gesprächsinteresse besteht, ich mach das mal)
Grüße, Liceti
_________________ Wunder werden wahr!
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