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Nun, meine Damen,
die Sache ist entweder eine persönliche oder eine allgemeine. Wenn ich persönlich mit Feindseligkeit konfrontiert werde, da mag wohl gelten, dass ich etwas ausstrahle, was mir nicht bewusst ist, aber im Außen gezeigt wird. Die Weltentwicklungen allgemein aber stehen auf einem ganz anderen Blatt. Da heißt es nämlich, dass wir alle gefragt sind, Visionen zu entwickeln für ein künftiges Zusammenleben der Menschen, an dem möglichst viele teilhaben können. Warum sind diese Aufstände in den arabischen Ländern? Genaugenommen gärt es auch in Europa und Deutschland (Stuttgart 21 ist kein Zufall, und die ganze Atomgeschichte jetzt auch nicht). Da ich in der DDR groß wurde und den Westen für das Paradies hielt, musste ich schließlich selbst ebenfalls mächtig dazu lernen. Und vielleicht fällt mir da die "Draufsicht" leichter. Das kapitalistische System hat Instrumente geschaffen, mit denen immer nur eine bestimmte kleine Gruppe allen Reichtum der Welt scheffelt und untereinander hin und her schiebt, während mehr als 90% der gesamten Weltbevölkerung das Nachsehen hat. Dass diese 90% oder wenigstens 30 oder 40% davon allmählich aufwachen und ebenfalls am Leben teilnehmen wollen, kann man ihnen nicht verdenken. Dass sie noch nicht so hochspirituell entwickelt sind und aus der jahrelangen Gewohnheit des Hungers und des Sich-einschränken-Müssens in ein Reichtums-Bewusstsein verfallen, das ihnen die Taschen füllen würde, kann man ihnen ebenfalls nicht verdenken. Wie sollen sie sich satt und reich fühlen - um praktisch eine solche Wunscherfüllung in ihr Leben zu ziehen -, wenn sie dieses Gefühl noch nie, nie, nie kennengelernt haben? Und soll man ihnen sagen, dass sie noch drei Inkarnationen warten müssten, bis sie sich diesem Gefühl ein wenig angenähert haben? Deshalb: Diejenigen, die den Reichtum gescheffelt haben, sind zumeist nicht sehr verantwortlich damit umgegangen. (Ich behaupte n i c h t, dass sie alle Gangster sind, aber sie hätten am ehesten die Macht und die Möglichkeiten, insgesamt etwas zu ändern.) Und nun ernten sie die Früchte. Alles hängt mit allem zusammen. Die Reichen können sagen: "Ich richte meine Aufmerksamkeit nicht auf die Armut und die Not. Meine Welt ist so wie ich sie haben will." Aber das ist verlogen, ist bloß Ignoranz und zu einem gewissen Teil blanke Verachtung derer, die mit ihnen auf dem Weg sind. Mit Verlaub! Sie leben nämlich nicht auf einer Insel, sondern inmitten einer Gesellschaft, die bestimmte Mechanismen geschaffen hat. Aus einem bestimmten Grund! Und je mehr uns geschenkt wird, desto verantwortlicher sind wir dafür, dass diese Mechanismen so korrigiert werden, dass sie nach Möglichkeit nicht das Leben anderer zerstören, wie sie es zur Zeit noch tun. Dass diese Welt freundlicher und heller wird. Wir beklagen die Tiere, die so furchtbar gehalten und geschlachtet werden, aber wie viele Menschen für unserer Wohlstand verheizt werden, wollen wir nicht wahrnehmen! Für unsere Handys - den Lithiumanteil in ihnen, ohne den es nicht geht - sterben Menschen in Afghanistan. Für das Gold, das manche heutzutage für schlechte Zeiten bunkern, schuften sich in mehreren Ländern viele kaputt, während wenige Riesengewinne einstreichen. Für die Teppiche, die manche unserer Wohnzimmer zieren, haben vierzehnjährige Mädchen in arabischen Ländern bereits krumme Rücken, die sie vielleicht nie wieder voll aufrichten können. Für sehr viele unserer ach so schön billigen Nahrungsmittel, von denen wir träge und fett werden, bleiben in Afrika und Südamerika Ausbeutungsverhältnisse bestehen, die selbst Kinder schon schuften und hungern lassen. Natürlich sind sie alle selber schuld, wie sollte es anders sein! Aber wir sind auch selber schuld, wenn sie uns eines Tages lynchen!
Klingt vielleicht erschütternd, musste aber mal gesagt werden.
Herzliche Grüße, nanabosho
_________________ Stets findet Überraschung statt,
da wo man's nicht erwartet hat.
Wilhelm Busch
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