Hallo ihr Lieben!
Vor ein paar Tagen hat mir meine Mutter was über meine Familie erzählt, dass ich im Ansatz zwar wusste, jedoch nie so genau.
Zeit: 2. Weltkrieg und später
Meine Familie mütterlicherseits hatte ein großes Gut (landwirtschaftlicher Betrieb) in Niederösterreich. Die ganze Familie war gegen Hittler. Nicht irgendwie "aktiv" gegen ihn. Eher so, dass sie statt dem Hitlergruß "Grüß Gott" gesagt haben und auch sonst keinen Hehl daraus machten, dass sie eben nicht FÜR ihn waren. Jeder wusste das (einer aus der Familie wurde nach dem Krieg österreichischer Bundeskanzler)
Tja, so wurden dem Gut "Steuerschulden" unterstellt. Meine Urgroßmutter (ihr Mann lebte nicht mehr) wurde entmündigt und ein Verwalter eingesetzt. Natürlich ein absoluter Nazi.
Ich brauche wohl nicht ausführlich beschreiben, dass letztendlich eine Ungerechtigkeit nach der anderen dazu führten, dass die gesamte Wirtschaft drauf ging. Die beiden Söhne (die die Wirtschaft hätten führen können) wurden in den Kampf geschickt bzw. nach Dachau abtransportiert (es folgten mehrere KZs).
Der Verwalter hat den Dorfbewohnern verspochen, dass sie die Äcker, die sie von dieser Wirtschaft bewirtschafteten behalten dürften, wenn sie ihm helfen würden. Tja, so kam es, dass meine Familie unter Mithilfe der restlichen Dorfbewohner um den ganzen Besitz kam. Der Verwalter und der Bürgermeister bereicherten sich am meisten.
Meine Familie väterlicherseits waren Nazis (die, die am ersten mitgejubelt haben....) und kamen so auch zu Grundbesitz aus dieser Wirtschaft.
Nach dem Krieg waren dann alle plötzlich überhaupt keine Nazis.....
Der Verwalter ist für etwa 10 Jahre untergetaucht. Als er wieder zurückkehrte gab ihm mein Großvater (väterlicherseits) als erstes Unterschlupf.
Lange Rede kurzer Sinn, durch diverse Machenschaften blieben die Äcker bei den Dorfwohnern. Meine Familie hatte gar nichts mehr und erhielt Ende der 70er Jahre (!!!!) zumindest das Wohnrecht in dem Haus.
Der ehemalige Verwalter (sowie fast alle "großen" Nazis) saß dann in der Landesregierung und hatte wieder das Sagen.....
In den 60er Jahren heirateten meine Eltern - Sohn des Nazis, der dem Verwalter Unterschlupf gewährt hatte und Tochter des Gutshaussohnes, der im KZ war......
Komischerweise haben in meiner Kindheit immer nur meine (Nazi)Großeltern gegen meine Mutter und ihre Familie geschimpft (und mich regelrecht gegen meine Mama aufgehetzt!!!). Ich habe niemals ein Wort von meiner Familie mütterlicherseits gegen die anderen gehört!
Stellt sich die Frage, wo da das GEsetz von "Saat und Ernte" bleibt, oder?
Nun, die ausgleichende Gerechtigkeit hat sich eine ganze Generation später eingestellt. Die Nachkommen derer, die sich am meisten bereichert (passenderweise hieß der Verwalter auch Reichert.....) hatten, sind allesamt pleite gegangen. Und zwar mit enormen Schulden. Die Höfe wurden versteigert!
Die Kinder der "Geprellten" sind auf wundersame Weise

(fast) alle zu etwas gekommen.
Der Erbe des Verwalters musste das Gutshaus meiner (Ur)Großeltern um einen Spottpreis verkaufen. Es ist nun ím Besitz des ältesten Sohnes meines Großvaters (der es ursprünglich auch geerbt hätte).
Einige Dorfbewohner zahlen den Nachkommen der Gutsfamilie Pachtgeld für die Äcker, die teilweise durch die Heirat meiner Eltern wieder in die Familie zurückgekommen sind.
Bei den Erzählungen meiner Mutter bekam ich nicht nur einmal Zorn ob der Ungerechtigkeiten, die meiner Familie widerfahren sind. Die "ausgleichende Gerechtigkeit", die sich letztendlich doch zeigte war mir dann doch auf eine gewisse Art "Genugtuung".
Liebe Grüße
Martina