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Ein paar Fragen zur Selbstliebe

Ein paar Fragen zur Selbstliebe (für das Magazin „Gesundheit“)

 

1. Kann man Selbstliebe lernen?

Ja, ganz sicher. Wir haben dazu gerade im Jahr 2011 zwei Bücher veröffentlicht. „Das Wunder der Selbstliebe“ ist als eine Art Lehrbuch zu verstehen, wie ich in mir selbst mehr Selbstliebe entwickeln kann. Die wichtigsten Punkte dazu sind:

-Lerne, Nein zu sagen. Wie sollen die Menschen meiner Umgebung mich lieben können, wenn ich selbst mich nicht genügend lerne. Ein Ja zu mir zeigt sich nun mal oft in einem Nein zu dir. Oft sage ich nämlich Ja, nur um zu gefallen, um gut anzukommen, oder um einem Konflikt aus dem Weg zu gehen. Aber bin ich dabei wirklich auf freundlich zu mir selbst? Wäre nicht stattdessen auch öfter mal ein ehrliches Nein angebracht?

-Oft sind wir selbst es, die uns unablässig kritisieren, die an uns selbst nur rumnörgeln und unzufrieden sind. Wir selbst sind unsere größten Kritiker. Darum: Lobe dich selbst immer wieder, auch für Kleinigkeiten. Tu das immer wieder. Toll, wie ich wieder meine Zähne putze. Auch wenn es lustig ist und nicht so ganz ernst gemeint. Auch ein witziges Lob ist eine Anerkennung, und tausendmal besser als die dauernde Kritik an uns selbst.

-Frage dich, was du wirklich gern tust. Mach dir eine Liste. Mindestens 20 Punkte sollten darauf stehen, wie Essen, Spazieren gehen, Musik hören, Tanzen…). Dann schreibe dahinter, wann du diese Dinge das letzte Mal gemacht hast. Diese Woche, vielleicht sogar gestern? Dann ist es sicher gut um deine Selbstliebe bestellt. Liegen die Dinge auf deiner Liste aber lange, lange zurück, dann erlaube dir doch einfach, sie dir morgen oder schon heute wieder zu erlauben.

 

2. Wo liegt der Unterschied zwischen Selbstliebe und Egoismus?

Wären Egomanen wirklich ehrlich zu sich selbst, würde ihnen vielleicht bald ihre fehlende Selbstliebe bewusst. Man kann im Grunde jedes Verhalten eines Menschen in 2 Kategorien einstufen. Entweder es geschieht aus Liebe- oder es ist ein Schrei nach Liebe. Jemand, der sehr im Ego ist, braucht immer etwas: Anerkennung, Zuneigung, Erfolg, jemand der ihm zuhört. Wer im Ego ist, lebt stetig im Mangel- und jeder Mangel kann letztlich auf fehlende Liebe zurückgeführt werden. Eigentlich sucht dieser Mangel Liebe, sonst nichts. Weil der Egoist sich darum selbst nicht lieben kann, muss er sich die Liebe von aussen holen. Denn unser Ego hat nie genug, es fordert, beschuldigt und klagt die ach so fehlende Liebe dann immer wieder von anderen Menschen ein, endlos und unablässig. Darum würde ich sagen, schließen sich Selbstliebe und Egoismus gegenseitig aus. Einen Egoisten könnte man als weitgehend von Selbstliebe befreite Zone bezeichnen.

Aber ich schweife ab. Sicher ist in der Frage der Vorwurf versteckt, wer Selbstliebe praktiziert, der läuft rasch Gefahr, als egoistisch bezeichnet zu werden. Das ist sicher richtig. Der Trick dabei ist aber, wenn ich ganz in der Selbstliebe bin, dann ist mir das schnurzpiep egal. Denn ich stehe ganz zu mir. Sagt mir dann beispielsweise jemand: „Huch, bist du aber jetzt egoistisch! Früher hättest du aber Ja gesagt statt Nein, und mir diesen kleinen Gefallen getan!“, dann spüre ich die Kritik und den Vorwurf des anderen. Ich spüre, dass in Wahrheit der andere egoistisch ist. Schon meine Kinder sagen gern: „Was man von anderen sagt, ist man selber!“ Ich stehe stattdessen zu mir, fühle rein, was ich möchte, und was mir gut tut. Ich gebe mir selbst, was ich brauche. Und ich brauche dazu niemanden anderen mehr. Vielleicht ist das die beste Antwort auf den Unterschied zwischen Selbstliebe und Egoismus: Wer sich selbst liebt, beginnt, zu spüren und zu erkennen, was er selbst am meisten braucht, und so zu handeln. Wer egoistisch ist, sucht ständig andere, die ihm unablässig geben sollen, was er zu brauchen glaubt.

 

3. Warum ist Selbstliebe so wichtig?

Ich merke gerade, die Fragen bauen schön aufeinander auf. Selbstliebe ist wichtig, ja geradezu elementar, da sie mich im Idealfall unabhängig von anderen Menschen macht. Ohne Selbstliebe bin ich wie ein ewiges Kind, das dauernd jemanden braucht, der mich unterstützt, ja vielleicht sogar rettet. Ohne Selbstliebe bin ich für nicht frei, denn mein Wohl und Wehe hängt ständig davon ab, was andere mir geben oder nicht geben, was andere tun oder eben nicht. Ich werde zum Opfer der Umstände, zum Spielball der Geschehnisse. Das fühlt sich sehr unglücklich an.

Aber Selbstliebe- macht glücklich! Ich beginne in mich reinzufühlen und erkenne, was tut mir gut und was nicht. Und dann entscheide ich mich für das, was mir gut tut und handle auch dementsprechend. Manchmal trete ich dabei anderen auf die Füße, manchmal sage ich Nein, manchmal kann sicher geschehen, dass sich Menschen dann verabschieden und gehen. Das ist dann auch OK. Aber das Wichtigste ist doch: Ich tue, was mir gut tut. Früher hab ich vielleicht mehr getan, was anderen gut tut, auch wenn ich mich dabei verdrehen musste, dass es mir selbst nicht gut getan hat. Es ist wirklich so einfach: Selbstliebe bedeutet, zu spüren, was mir gut tut, und dementsprechend zu handeln. Das fühlt sich dann gut an, weil es mir einfach gut tut!

 

4. Wie kann ich auch in Krisen meine Selbstliebe bewahren?

Vielleicht ist das schon deutlich geworden aus dem bisher Gesagten: Indem ich lerne, zu Fühlen! Fühlen ist der Schlüssel zur Selbstliebe. Im zweiten Buch von mir, dass im Jahr 2011 eben erst erschienen ist, geht es genau darum: „Die fünf Tore zum Herzen“ sind eine Art Übungsbuch zur Selbstliebe. Diese fünf Tore sind überschrieben mit den Begriffen Bewusstsein, Mitgefühl, Heilung, Erfüllung und Bestimmung. Aus dem bewussten Fühlen, was mir selbst gut tut, entsteht erst das Mitgefühl für andere, aber zuerst, im ersten Schritt, braucht es die Selbstliebe zu mir selbst. Wenn ich rund und satt bin, weil ich mir selbst alles gegeben habe, was ich brauche, kann ich erst, bildlich gesprochen, überlaufen wie ein voller Kelch, und auch meine Fülle und meine Erfülltheit an andere weitergeben. Auch in der Krise kann ich mich weiterhin fühlen und mich fragen: „Was tut mir gut?“ Sicher fällt es dann schwerer, ganz bei mir zu bleiben, auch in der schlimmsten Panikattacke. Aber Selbstliebe lässt eine Art Wesenskern im Inneren des Menschen entstehen, der sehr stabil ist und unverrückbar. Wenn ich selbst lerne, mir zu geben, was ich brauche, tue ich mir gut. Und je mehr alles gut ist in mir, umso mehr ist auch alles gut im Außen. Durch Selbstliebe lerne ich darum das Mantra: „Alles, was ist, ist gut“- auch die Krise. Ich kann ein Urvertrauen entwickeln, dass auch ein Sturm vorüberzieht, und der Himmel hinter den Wolken immer blau ist.

 

5. Was sind die Grundbausteine dafür?

Die drei wichtigsten Grundbausteine für Selbstliebe sind:

-Bewusstes Fühlen, was mir selbst gut tut. Welche Entscheidung fühlt sich am besten an? Welche Menschen tun mir gut? Was ist der richtige Job für mich? Wie kann ich selbst auf ein erfülltes Leben hinarbeiten?

-Verzicht auf unablässige Kritik an mir selbst. Sie tut mir selbst nicht gut. Und sie ändert auch nichts. Akzeptiere ich mich stattdessen, wie ich bin, stärke ich mich, und gebe mir selbst mehr Anerkennung.

-Loben und Danken, für das Gute in meinem Leben. Lobe ich mich für meine Leistungen, auch für Kleinigkeiten, mache ich mir selbst ein gutes Gefühl. Lerne ich, immer öfter Danke zu sagen, werden das andere Menschen ganz sicher honorieren. Lob und Anerkennung kommen garantiert wieder zu mir zurück.

 

6. Was tun sie persönlich dafür, sich ihrer Selbstliebe regelmäßig zu versichern?

Ich stelle mir innerlich einfach immer wieder die Frage: „Wie fühlt sich das an?“ Schon Abraham Lincoln sagte: Wenn ich Gutes tue, fühle ich mich gut. Wenn ich Schlechtes tue, fühle ich mich schlecht. Das ist meine Religion. Im Mittelpunkt steht dabei immer die Frage: Was kann ich mir selbst Gutes tun? Wie bin ich am besten gut zu mir?

Wenn ich dann in der Hitze des Alltags mal vergesse, bei mir zu bleiben, und mein Mantra zu vergessen, dann verzeihe ich mir und verzichte auf Selbstvorwürfe und Kritik.

Und ich gebe mir Mühe, im Alltag das Gute zu sehen, und ihm zu danken, wann immer ich kann.