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Artikel für das Magazin Lebens(t)räume: Werde, wie ein Bambus!

Immer mehr Menschen klagen in den letzten Jahren über zu viel Stress. Viele von uns hasten nur noch durch ihr Leben und verlieren sich in ihren mannigfaltigen Aufgaben und Herausforderungen.

Sinnbildlich befinden wir uns alle auf dem Rad des Lebens, von dem besonders im Buddhismus die Rede ist. Wenn sich dieses Rad immer rasanter dreht, dann drehen auch wir uns immer schneller mit ihm. Die Drehgeschwindigkeit treibt uns auf die Speichen des Rades hinaus, und je mehr wir weiter nach außen gedrängt werden, umso schneller drehen wir uns. Es gibt jedoch eine Lösung: Wir können uns bewusst wieder mit unserem Zentrum verbinden und uns hier stärken. Denn im Zentrum des Rades sitzt die Nabe, an dem es befestigt ist. Hier ist die Ruhe und Stille zu finden, nach der wir uns so intensiv sehnen. Diese innere Mitte finden wir in unserem Herzen. Und besonders, wenn wir uns bewusst mit ihm verbinden, um uns wieder zu fühlen.

Denn hierin liegt für mich die Hauptursache für unsere viel zu hastige Lebensweise verborgen: Wir haben ganz einfach verlernt, uns zu fühlen. Dabei sind wir doch ursprünglich vor allem fühlende, empfindende Wesen. Unsere Empfindungen, die auf den altdeutschen Ausdruck „etwas in sich finden“ zurückgehen, sind sehr mit unserem Feingefühl und unserer Intuition verbunden. Sie zeigen uns immer unsere Bedürfnisse und bringen uns so auch wieder zu uns selbst zurück. Schon Laotse war diese innere Reise wohlbekannt:

Der Reisende ins Innere findet alles, was er sucht, in sich selbst. Das ist die höchste Form des Reisens.

Gefühle können uns helfen, uns selbst besser kennen zu lernen. Für mich ist es eine der wichtigsten Übungen zur Selbstliebe, unsere Gefühle wieder mehr zu schätzen und ihnen zu folgen. Sie sind ein wertvoller Teil unseres Wesens, den wir viel zu oft überhören und unterdrücken. Dabei wären sie in der Lage, uns mit unserem inneren Licht zu verbinden, so wie Khalil Gibran sagt:

Der Mensch besteht aus zwei Teilen: einer wacht in der Dunkelheit, und der andere schläft im Licht.

Beim Umgang mit unseren Gefühlen können wir viel von der Bambus-Pflanze lernen. Der Bambus hält gelassen allen Witterungen stand. Wie das Wetter auch sein mag, ob es zu trocken ist oder nass, stürmisch oder windstill, der Bambus hat die innere Gelassenheit, allem in der passenden Art und Weise zu begegnen.

Unsere Gefühle sind so unterschiedlich wie das Wetter. Manchmal geht es uns gut, dann scheint gerade die Sonne. Dann wieder sind wir traurig und der Regen fällt. So unterschiedlich wie das Wetter sein kann, so sind auch unsere Gefühle. Der Bambus mit seiner Flexibilität macht uns vor, wie wir mit ihnen umgehen können. Wenn wir lernen, annehmend und weich zu bleiben, hält uns dies gleichzeitig auch jung und lebendig:

Schmiegsam ist der Mensch, wenn er geboren wird. Starr und steif, wenn er stirbt. Biegsam und zart sind die Kräuter und Bäume im Wachstum, stark und hart im Entwerden. Darum gehören Starre und Stärke dem Tod, Weichheit und Zartheit dem Leben. (Laotse)

So gelassen, wie der Bambus jeder Witterung begegnet, sollten auch wir mit unseren Gefühlen umgehen. Es ist ganz natürlich, dass unsere Stimmungen sich verändern. Jedes Gefühl ist grundsätzlich gut und richtig. Statt mit ihm zu kämpfen, es abzulehnen oder ihm auszuweichen, sollten wir ihm gelassen begegnen. Es ist ein Teil von uns. Wenn ich meine Gefühle akzeptiere, akzeptiere und liebe ich mich.

Ein Gefühl ist, wie es ist. Und damit ist es immer richtig. Ein Gefühl kann gar nicht falsch sein. Jedes Gefühl entspringt aus meiner inneren Quelle, die aus meiner Seele schöpft. Wie gut, dass wir lebendig sind und fühlen können!

Wenn du das Ende dessen erreicht hast, was du wissen solltest, stehst du am Anfang dessen, was du fühlen solltest. (Khalil Gibran)
In unserer neuen Zeit ist es darum für uns alle so notwendig, uns wieder mehr zu spüren. Jeder von uns ist Teil dieser Entwicklung. Jeder von uns kann damit beginnen, sich selbst immer wieder einmal zu fragen: Wie fühle ich mich? Wie geht es mir gerade, in diesem Moment. Und schon sind wir wieder mit dem Augenblick, dem Hier und Jetzt, verbunden. Eckhard Tolle hat den wunderbaren Ausdruck der „Gegenwärtigkeit“ hierfür geprägt.

Du fragst dich dann auch immer häufiger: Wie fühlt sich das für mich an? Gut oder schlecht? Und fast schon automatisch folgst du diesem Gespür, dieser inneren Richtschnur. Dein Gefühl beginnt somit, auch dein Handeln zu bestimmen.

Dem Gefühl folgend, suchst du dir neue Freunde und Bekannte, die dir gut tun. Du suchst eine Arbeitsstelle, die dir entspricht. Du bist nach einiger Zeit der Übung auch deines Gefühls so sicher, dass du es anderen Menschen mitteilst. Du stehst mehr für dich ein und sagst Menschen, wenn sie dir wehtun oder wenn du dich ungerecht behandelt fühlst. Auf dieser Art beginnst du, deinen eigenen Weg zu finden und auch zu gehen. Du läufst nicht mehr mit in der Herde. Und wer hilft dir dabei? Du selbst. Indem du dich einfach immer wieder fragst: Wie fühlt sich das für mich an? Dein Gefühl gibt dir immer eine Antwort.

Wenn ich Gutes tue, fühle ich mich gut. Wenn ich Schlechtes tue, fühle ich mich schlecht. Das ist meine Religion. (Abraham Lincoln)

Vielleicht geht es dir ja auch so wie mir: Wenn ich mich über einen anderen Menschen aufrege, dann spüre ich, es tut mir selbst nicht gut. Also sollte ich doch damit aufhören. Denn dies ist die vielleicht schönste Konsequenz des Fühlens. Wir beginnen den Ausspruch von Ghandi zu verstehen, wenn nicht gar zu fühlen:

Ich und du, wir sind eins. Ich kann dir nicht wehtun, ohne mich selbst zu verletzen.

Im Mitgefühl ist es mir unmöglich, den anderen zu hassen. Denn ich spüre, wie dieser Hass zu mir zurückkommt. Mache ich stattdessen andere glücklich, fließt das Glück auch zu mir.

Die Liebe ist das Einzige, das mehr wird, je mehr du sie verschenkst. (Clemens von Berentano)

In der Liebe erhalten wir selbst die Liebe zum Geschenk. Wenn ich mich mehr spüre, dann wird mir dieser Zusammenhang zwangsläufig immer mehr bewusst. Jeder, der sich wieder mehr mit seinem Herzen verbindet, wird dabei langsam und zunächst unbemerkt, auch wieder mehr in die Liebe finden. Dabei ist es einerlei, ob es die Liebe zum anderen oder zu uns selbst ist. Ich und Du, wir sind eins.